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04.09.2020
Arbeitspapier

Kindgerechte Justiz

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat einen Sammelband mit den verschiedensten Perspektiven herausgegeben, um darzulegen, wie die Rechte von Kindern im Justizsystem verwirklicht werden können. Nach den Leitlinien des Europarates und der UNKinderrechtskonvention bedarf es auch eines Justizsystems, das Kinder verstehen und dem sie vertrauen. Kinder sollten sich in die Lage versetzt fühlen, es nutzen zu können, u.a. wenn sie als Opfer oder als Zeuginnen und Zeugen oder auch als mutmaßliche Straftäterinnen und Straftäter Gewalt und anderen Kinderrechtsverletzungen ausgesetzt sind.

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland. Die Erstellung des Sammelbandes erfolgte im Rahmen eines Projekts der Koordinierungsstelle Kinderrechte des Deutschen Kinderhilfswerkes. Die Koordinierungsstelle Kinderrechte begleitet die Umsetzung der aktuellen Strategie des Europarates für die Rechte des Kindes (Sofia-Strategie 2016–2021) und wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Aus dem Vorwort

Jedes Jahr kommen Tausende von Kindern in Deutschland mit dem Justiz- und Verwaltungssystem in Berührung. Sie sind beispielsweise Beteiligte in familienrechtlichen Verfahren bei einer Scheidung der Eltern, (Opfer-)Zeuginnen oder Zeugen in strafrechtlichen Verfahren, Betroffene in Asylverfahren oder ihre Interessen werden bei Vorhaben in der Kommune berührt. Der Zugang zum Recht ist ein grundlegendes Menschenrecht der Kinder und Grundvoraussetzung für den Schutz und die Umsetzung aller anderen Kinderrechte. Denn Rechte können ihre Bedeutung nur entfalten, wenn sie auch durchsetzbar sind. Dafür muss gewährleistet werden, dass die Gerichts- oder Verwaltungsverfahren, die Rechte der Kinder betreffen, auch kindgerecht durchgeführt werden. Dies beinhaltet, dass Kinder in Verfahren effektiv rechtliches Gehör erfahren. Um den besonderen Bedürfnissen von Kindern Rechnung zu tragen, macht die UN-Kinderrechtskonvention Vorgaben für ein kindgerechtes Justizsystem. 

Inhalt des Bandes
  • I. Vorwort  (Anne Lütkes und Linda Zaiane)
  • II. Kindgerechte Justiz–Begleitung von Kindern im familiengerichtlichen Verfahren durch die Verfahrensbeistandschaft  (Anja Reisdorf, Dipl.-Sozialpädagogin/ Verfahrensbeiständin)
  • III. Kommunikation mit dem Kind und Anhörung des Kindes im familiengerichtlichen Verfahren  (Dipl.-Psych. Dr. Rainer Balloff, Berlin)
  • IV. Die Richterschaft in der Familiengerichtsbarkeit – Plädoyer für eine Qualitätsoffensive  (Vors. Richter am OLG Prof. Dr. Stefan Heilmann, Frankfurt)
  • V. Kinder als (Opfer-)Zeuginnen und Zeugen im Strafprozess (Robert Grain) 
  • VI. Die Psychosoziale Prozessbegleitung – eine unverzichtbare Unterstützung für Kinder im Strafverfahren  (Helena Hoffman)
  • VII. Kindgerechte Ausgestaltung des Asylverfahrens – Eine Bestandsaufnahme  (Uta Rieger und Nerea González Méndez de Vigo)
  • VIII. Kinderrechte im kommunalen Verwaltungshandeln  (Dr. jur. Philipp B. Donath Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • IX. Verzeichnis der Autorinnen und Autoren  
  • X. Abkürzungsverzeichnis 
  • Der Sammelband umfasst insgesamt 96 Seiten. 

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