Sie sind hier

09.11.2022
Arbeitspapier

Schulbegleitung als Leistung zur Teilhabe an Bildung

Das Thema Schulbegleitung beschäftigt Eltern, Schulen, Schulträger und Eingliederungshilfe/Jugendhilfe gleichermaßen. Aus diesem Grund hat der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg ein umfassendes und sehr notwendiges Arbeitspapier veröffentlicht, in dem die unterschiedlichen Sichtweisen und Möglichkeiten dargestellt werden.

Themen:

Der KVJS erläutert in seiner Einleitung die inhaltlichen Schwerpunkte des Arbeitspapiers:

Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) dokumentiert einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, der Behinderung nicht mehr als ständig vorhandene „Eigenschaft“ einer Person sieht. Behinderung entsteht in einem Wechselwirkungsprozess zwischen individuellen Voraussetzungen (Körperfunktionen und -strukturen) und den Gegebenheiten der Umwelt (Umweltfaktoren). Dieses Zusammenspiel beeinflusst die Möglichkeit der Aktivität und der Teilhabe einzelner Menschen in verschiedensten Umgebungen und Bereichen des alltäglichen Lebens.

Dieser veränderte Blick brachte und bringt weitreichende, auch sozial- und schulrechtliche, Veränderungen auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft mit sich. Auch Verwaltungsabläufe mussten und müssen immer wieder evaluiert und aufeinander abgestimmt werden.

Das Thema Schulbegleitung beschäftigt Eltern, Schulen, Schulträger und Eingliederungshilfe / Jugendhilfe gleichermaßen. Eine gelingende Zusammenarbeit zum Wohle der Kinder und Jugendlichen ist hier notwendig. Damit dies gut gelingt, sind Kenntnisse der unterschiedlichen Denkweisen und rechtlichen Möglichkeiten der beteiligten Systeme hilfreich.

Dieser KVJS-Fokus stellt zu Beginn kurz die rechtlichen Rahmenbedingungen der Eingliederungshilfe und der Jugendhilfe in Bezug auf das Thema Schulbegleitung vor. Ein schulrechtlicher Blick auf den besonderen und sonderpädagogischen Förderbedarf und die Unterstützungsmöglichkeiten innerhalb des Schulsystems schließt an. Die Abgrenzung der Aufgaben einer Schulbegleitung gegenüber dem Kernbereich pädagogischer Tätigkeit von Lehrkräften ist Inhalt des darauffolgenden kurzen, aber dennoch wichtigen Abschnitts

Inhaltsangabe

1. Rahmenbedingungen Eingliederungs- und Jugendhilfe

1.1 Schulbegleitung als Leistung zur Teilhabe an Bildung 

1.2 Schulbegleitung als Leistung zur Teilhabe an Bildung nach SGB IX

1.3 Schulbegleitung im Rahmen der Jugendhilfe nach § 35a SGB VIII

2.Schulische Rahmenbedingungen

2.1 Förderbedarf, Behinderung, Inklusion aus schulrechtlicher Sicht

2.2 Lerninhalte und Entwicklungsziele bei einem sonderpädagogischen Bildungsangebot

2.3 Unterstützungsmöglichkeiten innerhalb des Schulsystems

3. Abgrenzung der Aufgaben der Schulbegleitung
4. Die Rolle der Schulträger
5.Schulbegleitung auf einen Blick
6. Resumee und Ausblick

Ausschnitt:

Die Darstellung der (rechtlichen) Rahmenbedingungen der drei Systeme Schule / Eingliederungshilfe / Jugendhilfe und der Blick auf die Verwaltungsabläufe bei der Beantragung einer Schulbegleitung ist bereits für Experten, die täglich in ihrer Arbeit mit dem vielschichtigen Thema zu tun haben, anspruchsvoll und lässt erahnen, dass es für Eltern und Erziehungsberechtigte eine große Herausforderung sein kann, die komplexen Abläufe und das Zusammenspiel der drei Systeme zu durchdringen. 

Ab dem Jahr 2028 fallen alle Kinder und Jugendliche in den Aufgabenbereich der Jugendhilfe, unabhängig davon, ob sie eine (wesentliche) seelische, körperliche oder geistige Behinderung haben. Für die Eingliederungshilfe und die Jugendhilfe bedeutet dies einerseits einen Wegfall der Klärung der Zuständigkeit abhängig von der Art der Einschränkung / Behinderung. Andererseits braucht es hier Übereinkünfte wie das landesweite System der Bedarfsermittlung mit dem BEI_BW KJ der Eingliederungshilfe und die regional verschiedenen Systeme der Bedarfsermittlung im Rahmen der Jugendhilfe zusammengeführt werden können. Hier und auch auf gesetzgeberischer Seite sind noch Hürden zu überwinden und gute Lösungen zu entwickeln. Wie sich diese zukünftige Situation aus Perspektive der Eltern darstellt, bleibt abzuwarten.

Strukturelle Veränderungen mit dem Ziel einer größtmöglichen Aktivität und Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen / Behinderungen in der Schule, gelingen nur durch ein zielgerichtetes Zusammenwirken der Unterstützungssysteme auf den verschiedenen Ebenen. Ein Verständnis der unterschiedlichen Denksysteme und Arbeitsweisen, ist Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der beteiligten Professionen und Stellen.

Der KVJS hofft, mit dieser Handreichung einen kleinen Teil dazu beitragen zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Fachartikel

von:

Eine Schule für alle, einschließlich für Kinder mit FASD? Herausforderungen vor dem Hintergrund der Inklusion

Inklusion ist ein pädagogisches Konzept von optimierter und erweiterter Integration, das beinhaltet, ein angemessenes Entwicklungs- und Lernumfeld für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen, einschließlich für Kinder und Jugendliche mit FASD.
Nachricht aus Hochschule und Forschung

von:

Förderschüler sind im Vergleich stärker von sexualisierter Gewalt betroffen

Im Rahmen der Erweiterungsstudie Speak!-FÖS wurden zwischen April 2017 und Februar 2018 insgesamt 248 Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr befragt, die Förderschulen besuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass sexualisierte Gewalt – insbesondere in verbaler, aber auch in körperlicher Form – zur Erfahrungswelt vieler Förderschüler gehört.
Stellungnahme

Bundesverfassungsgericht: Legasthenie als Behinderung bestätigt

In seiner Pressemitteilung begrüßt der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 22. November 2023. Der Verband ist der Überzeugung, dass dieses Urteil Schülerinnen und Schülern deutschlandweit helfen wird, ihre schulische Situation zu verbessern.
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Eltern halten Schulen in Deutschland für ungerecht

Die Bertelsmann-Stiftung hat eine Studie zur Schule in Auftrag gegeben. Hierbei zeigt sich, dass Eltern schulpflichtiger Kinder den Schulen in Deutschland ein durchwachsenes Zeugnis ausstellen und vor allem fehlende Gerechtigkeit bemängeln.
Positionspapier

Inklusion an Schulen ist die Lösung, nicht das Problem: Aktion Mensch verurteilt die Entwicklung in Deutschland

Eine Pressemitteilung der Aktion Mensch zur Inklusion in der Schule: "Das deutsche Bildungssystem steht aktuell vor großen Herausforderungen: Digitalisierung, eklatanter Lehrkräftemangel, sinkendes Bildungsniveau – da bleibt Inklusion auf der Strecke."
Arbeitspapier

Adoption als Thema für den Schuluntericht

Der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg(KVJS) hat eine Unterrichtsmappe zum Thema Adoption herausgegeben.
Fachartikel

von:

Schulsozialarbeit - ein vielfältiges Handlungsfeld

In Deutschland ist die Schule ein fester Bestandteil der Lebenswelt junger Menschen. Hierzu trägt unter anderem die allgemeine Schulpflicht bei. Insgesamt kommt der Schule eine maßgebliche Bedeutung zu, da die Kinder und Jugendlichen einerseits einen großen Teil ihrer Zeit dort verbringen und andererseits die Erfolge und Misserfolge in der Schule einen großen Einfluss auf die Berufs- und Lebenschancen des Einzelnen haben.
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Projekt: Schulverweigerung - die zweite Chance

Das Bundesfamilienministerium hat einen Abschlussbericht der Evaluation des ESF-Programms "Schulverweigerung - die zweite Chance" veröffentlicht.
Fachartikel

von:

Integrationshilfen für SchülerInnen mit Behinderungen

Die Einrichtung einer individuellen Schulbegleitung kann für einzelne Schüler zur Sicherstellung einer angemessenen Schulbildung notwendig sein. Einrichtung und Aufgabe einer Integrationshilfe für Kinder mit Behinderungen.
Empfehlung

von:

Unterstützung am Übergang Schule – Beruf

Empfehlungen des Deutschen Vereins für eine gelingende Zusammenarbeit an den Schnittstellen der Rechtskreise SGB II, SGB III und SGB VIII.