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Auswirkungen des Traumas auf das Adoptiv- oder Pflegekind

Traumatische Erfahrungen führen zu deutlichen Störungen in der Entwicklung des Kindes - im besonderen Maße in der eigenen Selbst- und Fremdwahrnehmung und im Bereich der Bindungen.

Gewalterfahrungen und Vernachlässigung werden in ihrer nachhaltigen und zerstörerischen Wirkung auf das Kind immer noch massiv unterschätzt.
Die traumatischen Erfahrungen führen zu deutlichen Störungen in der Entwicklung des Kindes - im besonderen Maße in der eigenen Selbst- und Fremdwahrnehmung und im Bereich der Bindungen.

Kinder, die nicht erleben, dass sie berührt werden, dass sie versorgt und angeregt werden, die beständigen emotionalen Mangel, Angst und die Uneinschätzbarkeit ihres Umfeldes erleben verlieren die Fähigkeit tragfähige Beziehungen einzugehen – manchmal für den Rest ihres Leben.

Diese Kinder haben kein Vertrauen zu Erwachsenen – im Gegenteil, sie misstrauen allem und allen. Sie haben erfahren, dass die Welt nicht verlässlich ist, dass das Leben bedroht wird, dass Hilfe kaum zu erwarten ist, das man auf sich allein gestellt ist, dass es eigentlich nur gilt, das hier und jetzt zu überleben und zu bewerkstelligen. Das Leben ist ein Kampf. Dies ist die Sicht der Welt – geprägt durch die traumatischen Erfahrungen.

Diese Erfahrungen prägen auch Art und Umfang der Hirnreifung des Kindes. Ebenso führen traumatische Situationen zu vermehrter Ausschüttung von Stresshormonen, die wiederum das kindliche Gehirn auf ständige Alarmbereitschaft polen.

Die Vorgeschichte eines Pflegekindes hat also erhebliche Auswirkungen auf das Kind.
Reaktionen des Kindes, die aufgrund solcher Erfahrungen eintreten können, möchte ich nachfolgend in Stichworten zusammenfassen:

  • wenig Vertrauen (Misstrauen),
  • alles unter Kontrolle haben müssen,
  • negatives Selbstwertgefühl (Schuldgefühle – ich bin schuld dass mir dies passiert ist),
  • Beziehungsstörungen (mit allen mitgehen – Fremde zu nah heranlassen, Pflegeeltern außen vor lassen),
  • Ängste (massive),
  • Verwirrungen (extreme Gefühle hin und her),
  • Loyalitätskonflikte (es allen recht machen wollen),
  • Entwicklungsverzögerungen (Blockaden),
  • Erlernen von Überlebensstrategien – Überlebenstechniken (früh überleben können),
  • Werte können nicht erfahren, angenommen und umgesetzt werden,
  • Grundmangelgefühl (nie genug zu bekommen),
  • Gefühl: Leben ist Kampf,
  • Missverstehen der Gefühle anderer (z.B. Pflegeeltern, die nicht konsequent handeln werden als weich und schwach empfunden)
  • Wahrnehmungsprobleme (kein Erkennen von Gefahren, schmerzunempfindlich usw.),
  • häufig: Schwierigkeiten mit vorausschauendem Denken (sich von etwas ein Bild machen können und logischen Denken (Zusammenhänge erkennen)
  • Konzentrationsprobleme – Unruhe
  • mangelnde Möglichkeiten, sich in jemanden einfühlen zu können, oder
  • extremes Einfühlungsvermögen bei Menschen von denen das Kind abhängig ist (z.B. misshandeltes Kind),
  • extremes Verhalten, oft schwankend: Aggression – depressives Verhalten,
  • unrealistische Einschätzung von sich selbst,
  • unrealistische Einschätzung von anderen,
  • große Verführbarkeit – große Abhängigkeit von der Einschätzung durch andere.

Traumatisierte Kinder – und besonders die, die in den ersten drei Lebensjahren schwere Misshandlung oder Vernachlässigung erleben mussten – neigen dazu, auf der emotionalen und kognitiven Stufe der Entwicklung stehen zu bleiben auf der sie traumatisiert wurden.

Letzte Aktualisierung am: 
04.12.2008

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