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Beispiele von Verhaltensweisen des Pflegekindes und Ratschläge zu möglichen Reaktionen

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Vor allem die heftigen Verhaltensweisen vieler Pflegekinder während der Phase von Konflikten (Übertragungsphase) fordern die Pflegeeltern in extremer Weise. Daher haben wir einige typische Verhaltensweisen beschrieben und mögliche Reaktionen der Pflegeeltern erläutert:

Das Kind fragt immer mehrere Familienmitglieder, wenn es etwas wissen will. Es hört nicht zu, wenn ihm etwas gesagt wird. Es antwortet, ohne das, was es sagt wirklich zu meinen.

Nehmen Sie dies nicht persönlich. Verstehen Sie, dass das Kind Verlässlichkeit und Ernstgenommen-Werden nicht gewöhnt ist. Es glaubt nicht, dass das, was Sie sagen, Konsequenzen hat. Zeigen Sie dem Kind Verlässlichkeit. Versorgen Sie es und gehen Sie dabei auf seine Wünsche ein. Kann das Kind die Versorgung annehmen, dann wird es auch eine zunehmende Abhängigkeit von Ihnen zulassen. Manchmal ist es auch sinnvoll, eine Sache, bei der es sich bisher nur auf sich selbst verlassen hat, als Pflegeeltern selbst zu übernehmen und es daher ein wenig in Abhängigkeit zu bringen, z.B. ein Kind, das sich bisher morgens selbst geweckt hat, nun zu wecken. Lässt es dies zu, lernt es zunehmend sich auf Sie zu verlassen.

Das Kind erzählt bei Nachbarn und Lehrern, dass es von den Pflegeeltern nichts zu essen bekommt.

Die Nachbarn sind irritiert. Einerseits halten sie dies für nicht möglich, so wie man die Nachbarn kennt, andererseits .... man weiß ja nie. Sie beginnen, dem Kind Essen oder Süßigkeiten zu geben und ringen sich schließlich durch, darüber mit den Pflegeeltern zu sprechen. Manche rufen auch das Jugendamt an.

Reaktion der Pflegeeltern: Sprechen Sie mit dem Kind darüber, dass sie verstehen, warum es das sagt. Dass es früher Hunger gelitten hat und noch nicht so richtig weiß, ob Sie es denn auch wirklich auf Dauer versorgen werden, und dass es sich deswegen andere Quellen verschafft und warm halten will. Versichern Sie ihm, dass Sie sorgen werden und dass es irgendwann dies mal glauben wird und dann keinen anderen mehr ansprechen muss.

Sprechen ist gut, handeln ist jedoch besser. Das Kind muss erfahren, dass die Pflegeeltern absolut zuverlässig sind und dass es immer zu bestimmten Zeiten Essen gibt. Vernachlässigte Kinder werden unruhig und unsicher, wenn sie sich nicht auf bestimmte Zeiten verlassen können und wenn sie nicht jederzeit an Essen können. Dies bedeutet, dass für das Kind auch nachts etwas zu trinken und zu essen erreichbar sein muss. Eine Flasche Wasser, Knäckebrot, Obst neben seinem Bett gibt dem Kind ein Gefühl von Sicherheit und angenommen werden.

Mit den Nachbarn und den Lehrern müssen Sie sprechen und ihnen das Nötigste aus der bisherigen Lebensgeschichte des Kindes erzählen, damit sie verstehen. Sie sollten auch mit ihnen vereinbaren, dass das Kind von ihnen nur etwas zu essen bekommt, wenn es "eingeladen" wird und die Pflegeeltern zugestimmt haben. Ansonsten wird das Kind in seinen Bedürfnissen auf die Pflegeeltern verwiesen, die ihm alles geben werden.

Natürlich müssen Pflegeeltern damit rechnen, dass Nachbarn, Lehrer, Freunde beobachten und hinschauen und das es notwendig und nötig ist, eine "offene" Familie zu sein.

Das Kind erklärt den Pflegeeltern, dass sie es hungern lassen, es allein lassen, es gar nicht haben wollen etc. etc.

Fühlen Sie sich nicht angegriffen. Es meint nicht Sie, es spricht die Ängste aus, die es hat. Nehmen Sie das Kind in die Arme, zeigen und sagen sie ihm, dass Sie es verstehen, dass es Schlimmes durchgemacht hat und kein Vertrauen mehr besitzt. Sagen Sie ihm und zeigen Sie ihm, dass Sie sich sehr bemühen, damit es wieder glauben und seine Ängste vermindern kann.

Das Kind spricht nicht über seine Ängste, drückt sie aber durch sein Verhalten aus: Es isst ohne Maßen, hortet Essen in seinem Zimmer oder sonst wo, kontrolliert die Pflegeeltern, fragt immer und immer wieder nach, provoziert, etc.etc.

Nehmen Sie nichts persönlich. Erklären Sie sich sein Verhalten mit dem Wissen um seine Geschichte und bemühmen Sie sich, die Bedürfnisse ihres Pflegekindes herauszufinden und zu verstehen. Zuverlässig und konsequent sein. Einmal Gesagtes gilt und wird nicht nach genügend Gequängel zurück genommen. Das Kind will schwache Eltern inszenieren, aber starke Eltern erleben.

Das Kind läuft immer wieder weg, versteckt sich irgendwo oder droht mit Weglaufen.

Nicht persönlich nehmen. Verstehen Sie, dass es erfahren will, ob es wichtig genug ist um von Ihnen gesucht zu werden. Suchen Sie ihr Kind und malen Sie ihm die Suchaktion aus. Zeigen Sie, wie große Sorgen Sie sich gemacht haben und machen Sie deutlich, dass Weglaufen gefährlich ist. Überlegen Sie sich Maßnahmen, wie das Weglaufen zu verhindern ist. Z.B. nachts die Haustür abschließen, es nicht allein irgendwo hinlassen, Nachbarn, Polizei informieren...

Ein Kind provoziert den Pflegevater in extremen Maße. In der Auseinandersetzung setzt es immer noch eins drauf. Der Pflegevater hat das Empfinden, dass das Kind es darauf anlegt, von ihm geschlagen zu werden.

Bleiben Sie ruhig und nehmen Sie das Verhalten nicht persönlich. Ihr Empfinden als Pflegevaters ist völlig korrekt. Ein gewalterfahrenes Kind geht davon aus, dass der Vater zuschlägt. Das ist sein Bild von Vater. Die Logik des Kindes funktioniert folgendermassen: Du bist mein Pflegevater, also musst du auch so handeln wie Väter eben handeln. Da du noch nicht zugeschlagen hast, liegt deine Zuschlag-Schwelle vielleicht höher. Also muss ich dich dahin bringen, das du mich schlägst. Dann weiss ich, dass du ein Vater bist.

Die Chance für Kind und Pflegevater besteht nun darin, dass dieses Bild eben nicht bestätigt wird. Der Pflegevater macht durch eine andere Reaktion auf die Provokation des Kindes deutlich, dass Gewalt keine Antwort ist und dass es andere Antworten und anderes Väterverhalten gibt.

Letzte Aktualisierung am: 
15.05.2008

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