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19.01.2024

Weniger Mündel für einen Amtsvormund

Das DIJuF - Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht und das Bundesforum Vormundschaften haben die gemeinsame Empfehlung " Verantwortung braucht angemessene Ressourcen - Schluss mit Fallzahlbingo in der Vormundschaft!" zur Fallobergrenze in der Amtsvormundschaft erarbeitet und plädieren für eine Verringerung der gesetzlich benannten Mündelzahlen.

Die beiden Institutionen kommen in ihren Empfehlungen zu dem Ergebnis, dass die jetzige Regelung zur Fallzahl 50 die Realität der Arbeit mit den jungen Menschen nicht abbildet und appellieren an den Gesetzgeber, die Fallzahl auf max. 30 Kinder und Jugendliche pro Amtsvormund zu reduzieren.

Einleitung der Empfehlungen:

Eine kinderrechtsbasierte Vormundschaft braucht ausreichende Ressourcen. Eine angemessene Begleitung von Kindern und Jugendlichen aus oft hoch belasteten Situationen kann daher nur sichergestellt werden, wenn ausreichend Zeit für die Entwicklung vertrauensvoller Beziehungen und Vertretung sowie Förderung und Beteiligung zur Verfügung steht.

Die derzeitige gesetzliche Regelung mit einer Fallzahlobergrenze von 50 ist mit der Realität nicht vereinbar. Bereits die Einhaltung der monatlichen Kontaktpflichten als gesetzlich festgeschriebener Mindeststandard ist bei 50 zu betreuenden Kindern und Jugendlichen rechnerisch nicht möglich.

Sowohl der Praxisbeirat Amtsvormundschaft des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e. V. (DIJuF) als auch das Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e. V. sprechen sich daher für eine gesetzlich neu festzulegende Fallzahlobergrenze von 30 Fällen bei einer Vollzeitbeschäftigung aus. Neben der qualitätssichernden Obergrenze wird empfohlen, die Fallzahl den lokalen Bedingungen anzupassen und die Qualität durch Personalbemessung zu sichern.

 Die Empfehlungen behandeln folgende Schwerpunkte:

  • Diskussion um angemessene Fallzahlen in der Vormundschaft
  • Verantwortlichkeiten und Kontext vormundschaftlichen Handelns
  • Inhaltliche Veränderungen seit Fixierung der Fallzahlobergrenze im SGB VIII
  • Gute Vormundschaft braucht Personalbemessung und eine neue gesetzliche Fallzahlobergrenze
Fazit:

Die kommunale Praxis und die Ergebnisse von Personalbedarfsbemessungen zeigen, dass eine adäquate Führung von kinderrechtsbasierten Vormundschaften und Pflegschaften nur bei einer Fallzahl von max. 30 möglich ist. Daher sollte die Fallzahlobergrenze in §  55 Abs.  3 SGB VIII auf diesen Wert gesenkt werden, um die Rechte von Kindern, die mit der Vormundschaftsrechtsreform postuliert wurden, zu wahren. Denn: Mehr Verantwortung braucht angemessene Ressourcen!

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