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01.09.2012
Erfahrungsbericht

Fachkräfte gaben sich in den Familien die Klinke in die Hand

Bei mehreren Familien wurden kurzfristig, neben den regulären Hausbesuchen vom Pflegekinderdienst (PKD), Termine von ASD-Kollegen bzw. als ASD-Vertretung von nicht zuständigen PKD-Kollegen gemacht, um vor Ort zu kontrollieren. Die Erklärungen für diese Besuche entsprachen nicht dem Beratungs-/Betreuungsbedürfnis der Familie, sondern dienten offenkundig der Erfüllung formaler Vorgaben.

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Eindrücke aus der Pflegeelterngruppe: Fachkräfte gaben sich in den Familien die Klinke in die Hand.

Bei mehreren Familien wurden kurzfristig, neben den regulären Hausbesuchen vom Pflegekinderdienst (PKD), Termine von ASD-Kollegen bzw. als ASD-Vertretung von nicht zuständigen PKD-Kollegen gemacht, um vor Ort zu kontrollieren. Die Erklärungen für diese Besuche (Der ASD sei noch nie bei ihnen zu Hause gewesen, letzter Besuch des PKD läge längere Zeit zurück) entsprachen nicht dem Beratungs-/Betreuungsbedürfnis der Familie, sondern dienten offenkundig der Erfüllung formaler Vorgaben.

Beim Pflegevater A. meldeten sich ASD und der Abteilungsleiter zur Stichprobe an und arbeiteten den sogenannten Kinderschutzbogen ab, der sonst bei akuter Kindeswohlgefährdung angewandt wird. Ohne dass es irgendeinen Verdachtsmoment gab und trotz des nur wenige Wochen zurückliegenden Hausbesuchs vom PKD musste Herr A. berichten, was es in den letzten Tagen zu essen gab; vorzeigen, ob passendes Schuhzeug und andere Kleidung vorhanden ist etc., was als sehr kränkend erlebt wurde.

Familie M. hat zwei Pflegekinder aufgenommen. Jedes der Kinder hat Elternkontakte, hinzu kommen jeweils ein Amtsvormund, der monatlich das Kind besucht, sowie ein ASD-Mitarbeiter, der seit kurzem ebenfalls „zu Besuch“ kommt. Letzte Woche hatte die Familie damit vier Termine.

Mehrere Familien klagen darüber, dass ihnen die Normalität des Familienlebens abhandenkommt. Pflegekinder fühlen sich stigmatisiert, verschiedenen, wechselnden Erwachsenen zu erzählen, wie es ihnen geht.

Zwei Pflegekinder (12 und 10 Jahre) hatten im letzten Halbjahr „ihren“ Amtsvormund bei mehrmaligen Besuchen kennengelernt. Als diese Kinder nun erfuhren, dass die Zuständigkeit wechselt, sie zukünftig von einer anderen Person besucht werden, reagierten sie enttäuscht/verärgert, wollten mit der neuen Person nichts zu tun haben.

Mehrere Pflegeeltern wurden aufgefordert, innerhalb weniger Tage „entlastende“ Atteste vorzulegen. Anlass waren teils über 10 Jahre zurückliegende gesundheitliche Einschränkungen, die zudem meist seit längerer Zeit nicht mehr bestanden, was auch entsprechend in den Akten dokumentiert war. Kritisiert wurde insbesondere der Ton beim Anruf der ASD-Abteilungsleitung und die enge Fristsetzung.

Manche dieser Pflegeeltern fragten hier besorgt nach eventuellen Konsequenzen: „Muss ich mein Kind abgeben?“, obwohl diese Kinder bereits seit vielen Jahren erfolgreich von ihnen betreut werden.

Dieser Beitrag stammt aus der Juni-Ausgabe von ‚Blickpunkt Pflegekinder‘ zum Thema: "Nach Chantal: Wohin steuert Hamburgs Pflegekinderhilfe?" Wir danken der Redaktion des Blickpunkt für die freundliche Überlassung des Beitrages.

Frau und Herr H. haben ihre Enkelin bei sich aufgenommen. Beim geforderten Drogentest müssen mindestens sechs Zentimeter lange Haare untersucht werden, damit kann Herr H., so wie viele Männer, nicht dienen und wird ersatzweise zum Urintest geladen. Er berichtet, dass er von einer ca. 25jährigen Arzthelferin zunächst kontrolliert wurde, ob er einen Urinbeutel am Körper versteckt hat, und dann in deren Anwesenheit, lediglich durch eine etwa hüfthohe Trennwand abgeschirmt, urinieren musste. Er habe sich gefühlt wie ein Krimineller.

Aus der Pflegeelterngruppe zusammengetragen von Redaktionsmitglied Bettina Steglich.

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