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03.09.2016

Besuchskontakte und ihr Potential - Forschung und Praxis

Besuchskontakte zwischen Pflegekindern und ihren Herkunftsfamilien sind ein wesentliches Element in Pflegeverhältnissen. Die Frage nach Reformbedarf bei Besuchskontakten in Pflegeverhältnissen soll in diesem Artikel vor allem unter Berücksichtigung der Sichtweise der Kinder, Pflegeeltern und Herkunftseltern beantwortet werden.

Besuchskontakte zwischen Pflegekindern und ihren Herkunftsfamilien sind ein wesentliches Element in Pflegeverhältnissen. Sie sind die verbliebene, sichtbare Verbindung zwischen den Kindern und ihren leiblichen Eltern. Unabhängig davon, in welcher Form sie stattfinden (telefonisch, schriftlich, unmittelbar, begleitet/unbegleitet) haben sie Einfluss auf das Kind und das Pflegeverhältnis, sogar wenn sie aus unterschiedlichen Gründen ausbleiben. Umgangskontakte sind häufig eine Herausforderung für alle Beteiligten. Zur Gestaltung dieser Kontakte gibt es divergierende fachliche Meinungen und bisher wenig evidenzbasierte Forschung. Gelingende Besuchskontakte mit der Herkunftsfamilie sind für das Kind und seine Entwicklung eine Bereicherung. Doch sie können auch zur Belastung und zum Hemmnis für das Kind werden, wenn die Bedürfnisse der Kinder übersehen oder übergangen werden.

Die Frage nach Reformbedarf bei Besuchskontakten in Pflegeverhältnissen soll in diesem Artikel vor allem unter Berücksichtigung der Sichtweise der Kinder, Pflegeeltern und Herkunftseltern beantwortet werden. Dazu werden die Ergebnisse einer Studie zu Besuchskontakten aus der Sicht der Beteiligten anhand eines Modells dargestellt, welche die Prozesshaftigkeit, die relevanten Faktoren und ihre Wechselwirkungen in Besuchskontakt-Konstellationen abbildet (Hofer-Temmel & Rothdeutsch-Granzer, o. J.). Die junge Fachrichtung Traumapädagogik liefert weitere Ansatzpunkte für eine kindgerechte Gestaltung von Besuchskontakten und die pädagogische Unterstützung von Pflegekindern in Zusammenhang mit dieser Thematik.

Was man über Besuchskontakte bisher weiß

Generell kann festgestellt werden, dass Kontakte zwischen Kindern in Pflegefamilien und ihrer Herkunftsfamilie in den letzten Jahren häufiger geworden sind. Die meisten Kinder, die in Pflegefamilien untergebracht sind, haben Kontakt zu ihrer biologischen Familie. Studien aus Österreich und Deutschland belegen, dass das für 50 bis 80 Prozent der Pflegekinder zutrifft. Bei Besuchskontakten zur Herkunftsfamilie denkt man häufig an Besuchskontakte zu den Eltern – es gibt jedoch zudem häufig Besuche zu Geschwistern oder Großeltern, wodurch womöglich noch ein größerer Teil der Pflegekinder Kontakte zur Herkunftsfamilie pflegt. Zu welchen Verwandten wieviel Kontakt besteht, geht aus den Studien leider nicht hervor.
Generell kann festgestellt werden, dass Kontakte zwischen Kindern in Pflegefamilien und ihrer Herkunftsfamilie in den letzten Jahren häufiger geworden sind. Die meisten Kinder, die in Pflegefamilien untergebracht sind, haben Kontakt zu ihrer biologischen Familie. Studien aus Österreich und Deutschland belegen, dass das für 50 bis 80 Prozent der Pflegekinder zutrifft. Bei Besuchskontakten zur Herkunftsfamilie denkt man häufig an Besuchskontakte zu den Eltern – es gibt jedoch zudem häufig Besuche zu Geschwistern oder Großeltern, wodurch womöglich noch ein größerer Teil der Pflegekinder Kontakte zur Herkunftsfamilie pflegt. Zu welchen Verwandten wieviel Kontakt besteht, geht aus den Studien leider nicht hervor.

In der Betrachtung von Besuchskontakten darf auch die rechtliche Bedeutung nicht außer Acht gelassen werden. Wie man auch immer Besuchskontakte diskutiert, aus rechtlicher Perspektive wird das Recht auf Kontakt zwischen Eltern und Kindern aus den Menschenrechten (EMRK 1993 Art. 9) und der UN-Kinderrechtekonvention (UN-KRK 1989 Art. 7 und Art. 9) abgeleitet. Besuchskontakte sind ein Recht sowohl von den Eltern als auch von den Kindern. Im Zweifelsfall steht das Kindeswohl an erster Stelle. Vorrangig sollten Besuchskontakte einvernehmlich geregelt werden. Dabei stellt sich allerdings die Herausforderung, das Kind nicht zu übersehen oder zu übergehen, weil die Erwachsenen sich meist besser vertreten können.

Eine Herausforderung in rechtlicher Sicht ist, dass Besuchskontakte von Pflegekindern oft unter dem Vergleich der viel häufigeren Scheidungs- und Trennungssituationen betrachtet wird. Wie der Jurist Salgo (2013) beschreibt, ist es eine immer wieder formulierte Forderung von Fachkräften, im Bereich des Besuchs-, Kontakts- oder Umgangsrechtes in Pflegeverhältnissen die spezielle Situation dieser Kinder zu berücksichtigen und nicht die Vorgangsweise aus Scheidungs- und Trennungssituationen heranzuziehen (Salgo 2013, S. 22). Bei Scheidung der Eltern kann man in den überwiegenden Fällen von einer sicheren förderlichen Bindung zu beiden Elternteilen ausgehen. Im Fall einer Kindesabnahme ist eine beeinträchtigte Bindungs- und Erziehungsfähigkeit der Eltern anzunehmen. Es ist sorgsam damit umzugehen, inwiefern und wie häufig man das Kind mit diesen schädigenden Bindungserfahrungen im Rahmen der Besuchskontakte konfrontiert. Das Kind soll korrigierende Erfahrungen mit den Kindeseltern machen können, in einem Ausmaß, wie es für das Kind aushaltbar und dienlich ist.

Es entsteht zunehmend das Bewusstsein, dass in Hinblick auf Besuchskontakte auch das Ausmaß der Traumatisierung des Kindes eine wesentliche Rolle spielt. Untersuchungen geben darüber Aufschluss, dass ein überwiegender Teil der Kinder in Fremdunterbringung komplex traumatisiert ist. Kinder werden vorwiegend aufgrund von Vernachlässigung, Misshandlungen und Missbrauch in der und durch die Herkunftsfamilie fremduntergebracht. In diesen Fällen werden primäre Bindungspersonen von den Kindern nicht nur als liebende Eltern, sondern auch als vernachlässigende oder gewalttätige Personen erlebt. Laut Studien von Neil et al. (2011) und Sinclair et al. (2005) ist das Pflegeverhältnis unter anderem dann erfolgreicher, wenn das traumatisierte Kind keinen Kontakt zum traumaverursachenden Elternteil hat (Neil, Cossar, Jones, Lorgelly, & Young, 2011, S. 6; Sinclair, Wilson, & Gibbs, 2005, S. 245).

Befragungen von Kindern und Pflegeeltern ergaben, dass Besuchskontakte gemischte Gefühle und Ambivalenzen hervorrufen. Kinder sind häufig zerrissen zwischen angenehmen und gemischten Gefühlen, und Pflegeeltern nennen ebenso positive, aber auch negative Auswirkungen auf das Kind und die Familie. Insbesondere bei genauerem Nachfragen in qualitativen Interviews wird deutlich, dass Besuchskontakte den Familienalltag turbulent machen können und eine Herausforderung bedeuten.

Besuchskontakte sind prozesshaft. Die Form des Kontaktes (persönlich, telefonisch, schriftlich, begleitet/unbegleitet, mit/ohne Übernachtung etc.) und seine Häufigkeit ändernt sich im Laufe des Pflegeverhältnisses und in den unterschiedlichen Lebensphasen des Kindes. Zu Beginn der Fremdunterbringung sind Besuchskontakte generell häufiger und nehmen mit der Dauer des Pflegeverhältnisses tendenziell ab. Manchmal finden Pausen von Monaten oder sogar Jahren statt. Auch das Alter des Kindes bei Inpflegenahme sowie die Anzahl der vorangegangenen Unterbringungen haben einen Einfluss auf die Häufigkeit der Besuchskontakte. Je älter das Kind ist und je weniger vorhergehende Unterbringungen es gab, desto wahrscheinlicher sind bleibende Besuchskontakte (Kötter, 1997, S. 235-–237).

Die Argumentation für Besuchskontakte ist hauptsächlich das Aufrechterhalten der Verbindung zwischen dem Kind und seiner Herkunftsfamilie und die Identitätsbildung des Kindes. Wenn Sozialarbeiter/innen befragt werden, beschreiben sie einerseits die Pflege oder Verbesserung der Beziehung als Ziel, allerdings gibt es über das Ziel des Besuches auch häufig wenig Klarheit, als der Besuch selbst das Ziel zu sein scheint (Sinclair u. a., 2005, S. 169). Die Vermutung besteht, dass die Überlegungen zu den Besuchskontakten sowie Gründe und Ziele dafür häufig nicht mit allen Beteiligten abgeklärt werden.

Auf die Art und Qualität der Besuche wirken viele verschiedene Faktoren ein. Die Haltung der Herkunftseltern und Pflegeeltern zueinander und zum Pflegeverhältnis hat selbstredend wesentlichen Einfluss auf das Gelingen des Besuchskontaktes, ist jedoch nur ein Faktor von vielen. Ein weiterer Faktor ist, wie gut die Kinder in der Pflegefamilie ankommen konnten und ob sie sich dort ausreichend sicher fühlen (Biehal, Ellison, Baker, & Sinclair, 2010, S. 272). Sinclair et al. (2005, S. 174ff.) geben zudem zu bedenken, dass die Art der Wirkung von Besuchskontakten auf das Pflegeverhältnis mit dem Grad an (un-)bewältigter Trauer um die Herkunftsfamilie zusammenhängen könnte.

Besuchskontakte in Verwandtschaftspflegeverhältnissen haben eine spezielle Dynamik und unterscheiden sich von anderen Besuchskontakt-Konstellationen. Die Kontakte werden eher informell, mit weniger Beteiligung von Behörden und Besuchsbegleitungen geregelt. Das kann je nach Konfliktpotential und Bewältigungsmöglichkeiten des Familiensystems eine Erleichterung oder eine Erschwerung für das Kind und die Angehörigen bedeuten. Unter Umständen kann es auch ein Anhalten der Kindeswohlgefährdung bedeuten, da innerhalb einer Familie Befangenheit und symbiotische Verstrickungen möglich sind.

Es gibt bisher wenig durch Untersuchungen belegtes und generelles Wissen über die komplexe Dynamik und die Wirkungen von Besuchskontakten auf das Kind.. Die meisten Ergebnisse können gültige Aussagen für bestimmte Konstellationen oder Teilaspekte treffen. Neil und Howe (2011) leiteten aus den Ergebnissen verschiedener Forschungsprojekte eine aufschlussreiche Aufstellung von Chancen- und Risikofaktoren in Bezug auf alle Beteiligten ab, die eine Einschätzung zum (Nicht-)Gelingen einzelner Besuchskontakt-Konstellationen ermöglicht . Allgemein lässt sich aber vor allem eines sagen, wie auch Neil und Howe (2011) schlussfolgern: Die Wirkung und Qualität des Besuchskontaktes ist dann gut, wenn er die Entwicklungsaufgaben des Kindes fördert oder zumindest nicht stört (Neil & Howe, 2004, S. 224-–254).

Besuchskontakte aus der Sicht der Kinder, Pflegeeltern und Herkunftseltern

Der Umgang und die Gestaltung von Besuchskontakten sollen in erster Linie dem Kind dienen und sein Wohl berücksichtigen. Das Gelingen von Kontakten hängt in vielen Fällen von vielen Faktoren ab, dabei zu einem wesentlichen Teil von der Haltung und dem Handeln der Pflegeeltern und der Herkunftseltern ab. Deshalb sind die Berücksichtigung und der Einbezug der Sichtweisen der beteiligten Kinder und Erwachsenen bei Überlegungen zu Besuchskontakten sinnvoll.. Die Frage danach, wie Besuchskontakte aus der Sicht der direkt Beteiligten (Pflegekinder, Pflegeeltern, Eltern und evtl. Besuchsbegleitung) sind, war leitend für die Forschungsarbeit der Autorinnen. Nach dem Forschungsdesign der Grounded Theorie erfolgte eine qualitative Studie von vier Fallkonstellationen. Ziel dieser multiperspektivischen Erhebung war es, ein möglichst ganzheitliches Bild von Besuchskontakten zu gewinnen, wie sie funktionieren und welche Faktoren für die Betrachtung und Ausgestaltung von Besuchskontakten relevant sein können.
Der Umgang und die Gestaltung von Besuchskontakten sollen in erster Linie dem Kind dienen und sein Wohl berücksichtigen. Das Gelingen von Kontakten hängt in vielen Fällen von vielen Faktoren ab, dabei zu einem wesentlichen Teil von der Haltung und dem Handeln der Pflegeeltern und der Herkunftseltern ab. Deshalb sind die Berücksichtigung und der Einbezug der Sichtweisen der beteiligten Kinder und Erwachsenen bei Überlegungen zu Besuchskontakten sinnvoll.. Die Frage danach, wie Besuchskontakte aus der Sicht der direkt Beteiligten (Pflegekinder, Pflegeeltern, Eltern und evtl. Besuchsbegleitung) sind, war leitend für die Forschungsarbeit der Autorinnen. Nach dem Forschungsdesign der Grounded Theorie erfolgte eine qualitative Studie von vier Fallkonstellationen. Ziel dieser multiperspektivischen Erhebung war es, ein möglichst ganzheitliches Bild von Besuchskontakten zu gewinnen, wie sie funktionieren und welche Faktoren für die Betrachtung und Ausgestaltung von Besuchskontakten relevant sein können.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden zu einer allgemeinen Theorie zu Besuchskontakten zusammengefasst. Zur besseren Veranschaulichung der komplexen Zusammenhänge wurde von den Autorinnen das Modell eines Kreisels für die Sicht auf Besuchskontakte entwickelt.

Der Kreisel bildet die wesentlichen Aspekte einer Besuchskonstellation ab. Es gibt verschiedene Einflüsse und Wechselwirkungen, die anhand dieses Modells sichtbar gemacht werden. Wesentliche Forschungserkenntnisse sind:
Das Kreiselmodell

2016 Kreiselmodell 500x375
Abbildung 1: Kreiselmodell (Hofer-Temmel & Rothdeutsch-Granzer, o. J.)

Der Kreisel bildet die wesentlichen Aspekte einer Besuchskonstellation ab. Es gibt verschiedene Einflüsse und Wechselwirkungen, die anhand dieses Modells sichtbar gemacht werden. Wesentliche Forschungserkenntnisse sind:

  • (1) Besuchskontakte sind in jedem Fall einzigartig und prozesshaft. Sie verändern sich im Laufe der Zeit. Daher bedarf es einer individuellen Betrachtung und Erarbeitung von Besuchsregelungen, die den sich wandelnden Bedürfnissen des Kindes unter Berücksichtigung der vorhandenen Möglichkeiten angepasst werden können. Besuchskontakte können deshalb nicht einmalig geklärt oder gelöst werden, sondern müssen immer wieder den sich weiterentwickelnden Beteiligten und der sich verändernden Umgebung angepasst werden. Diese Feststellung klingt sehr nachvollziehbar und einfach, trotzdem sind in der Praxis Veränderungsprozesse von Besuchsregelungen häufig schwer in Gang zu bringen. Möglicherweise deshalb, weil Veränderungen Unsicherheit bedeuten und weil es viele Beteiligte mit unterschiedlichen Interessenslagen gibt.
  • (2) Ausgangspunkte für Besuchskontakte sind gesellschaftliche Werte und gesetzliche Grundlagen, die unter anderem geprägt sind von den Familienbildern einer Gesellschaft. Wird der Kontakt zwischen dem Kind und seiner Herkunftsfamilie allgemein als notwendig oder förderlich erachtet, werden die Bestrebungen in diese Richtung gehen. Um das Bild des Kreisels zu verwenden: Gesellschaftlich vorherrschenden Familienbilder, Werte und Gesetze bilden die Achse des Kreisels und sind der Impuls, der die Besuchskontakte in Gang bringt. Der Kreisel kann so erst in Drehung versetzt werden.
  • (3) Der Körper des Kreisels ist bei jeder Besuchskonstellation unterschiedlich. Die Struktur des Kreisels bildet sich aus Elementen, die neutral, sicherheitsgebend oder verunsichernd wirken können. Diese Wirkungen sind miteinander vernetzt und hängen von den individuellen beteiligten Personen ab. Diese Elemente können persönlicher Natur (z. B. eine Pflegemutter fühlt sich verunsichert, weil sie aufgrund der Bindungsstörungen des Kindes ihre mütterlichen Fähigkeiten anzweifelt) oder personenunabhängig (z. B. Rückführung des Kindes in die Herkunftsfamilie steht im Raum, die Perspektive für das Kind ist unklar) sein. Das Gelingen von Besuchskontakten hängt im Wesentlichen davon ab, ob die einzelnen Beteiligten in einem für sie ausreichenden Maß Halt und Sicherheit empfinden. Je mehr Sicherheit bei jeder/jedem Beteiligten vorhanden ist, umso mehr stabile Masse hat der Kreisel und umso weniger lässt er sich in seiner regelmäßigen Drehung von äußeren Faktoren (z. B. finanzielle Mitteln, zeitliche Ressourcen, örtliche Distanz zwischen Pflege- und Herkunftsfamilie, Besuchsräumlichkeiten etc.) stören. Das subjektive Empfinden jeder/jedes Einzelnen ist zum Teil auch von unbewussten, tiefliegenden Beweggründen beeinflusst (z. B. Eltern sind selber in Pflegefamilie aufgewachsen und vermischen die Bedürfnisse des Kindes mit ihren eigenen Bedürfnissen von damals).
  • (4) Von außen wirken Stellen wie das Jugendamt, das Gericht oder der Pflegekinderdienst auf das Besuchskontaktgeschehen ein. Die Meinungen, Empfehlungen und Entscheidungen der Fachpersonen, der Sozialarbeiter/iInnen, der Berater/iInnen, der Gerichtspersonen sind einerseits vom verfügbaren Fachwissen, aber auch von ihren persönlichen bewussten und unbewussten Beweggründen geprägt (z. B. ein/e Sozialarbeiter/in setzt sich besonders für die Eltern und ihr Recht auf Besuchskontakt ein, weil sie damit bewusst oder unbewusst die Kindesabnahme kompensieren möchte).
  • (5) Im Körper des Kreisels können Interaktionsblockaden sichtbar werden. Interaktionsblockaden zwischen den Beteiligten verlangen nach einer Überprüfung der bestehenden Besuchsregelung. Solche Interaktionsblockaden wurden beispielsweise in den Interviews mit den Kindern sichtbar, wenn sie die Kommunikation mit der Interviewerin beim Thema Besuchskontakte einstellten und erst fortsetzten, wenn das Thema gewechselt wurde. In diesen Fällen wurde später deutlich, dass die Besuchssituation für das Kind nicht optimal war.

Das Kreiselmodell kann die Analyse von Besuchskontakten, die ins Wanken kommen, unterstützen. Es lohnt sich, danach zu suchen, welche Unsicherheiten bestehen, wo Sicherheit verstärkt werden kann. Anhand dieses Betrachtungsschemas kann in strukturierter Form sichtbar gemacht werden, welche Einflüsse und Bedingungen es für bestimmte Besuchskonstellationen gibt. Als Grundhaltung dafür ist eine möglichst wertfreie Betrachtung der Situation – „so wie sie ist“ und nicht. „so wie sie sein sollte“ – hilfreich.

Anregungen zu Besuchskontakten unter traumapädagogischen Aspekten

Nachdem die Autorinnen zeitgleich Forscherinnen und Praktikerinnen sind, werden an dieser Stelle Aspekte der praxisnahen Fachrichtung Traumapädagogik mit den Forschungserkenntnissen zu Besuchskontakten verknüpft. Traumapädagogik beschäftigt sich damit, welche (pädagogische) Umgebung lebensgeschichtlich belasteten Kindern und Jugendlichen gut tut und wie die Mädchen und Jungen bei der Traumabearbeitung in ihrem Lebensalltag und ihrer Entwicklung unterstützt werden können. Besuchskontakte sind wesentlicher Bestandteil eines Pflegeverhältnisses und wirken auf das Kind häufig irritierend. Das Kind zeigt Irritationen meist im Verhalten vor, während oder nach Besuchskontakten. Die Traumapädagogik bietet hilfreiche Ansätze für die Ausgestaltung von Besuchskontakten und die Begleitung der Kinder und ihrer Familien in diesem Kontext.

Nachdem die Autorinnen zeitgleich Forscherinnen und Praktikerinnen sind, werden an dieser Stelle Aspekte der praxisnahen Fachrichtung Traumapädagogik mit den Forschungserkenntnissen zu Besuchskontakten verknüpft. Traumapädagogik beschäftigt sich damit, welche (pädagogische) Umgebung lebensgeschichtlich belasteten Kindern und Jugendlichen gut tut und wie die Mädchen und Jungen bei der Traumabearbeitung in ihrem Lebensalltag und ihrer Entwicklung unterstützt werden können. Besuchskontakte sind wesentlicher Bestandteil eines Pflegeverhältnisses und wirken auf das Kind häufig irritierend. Das Kind zeigt Irritationen meist im Verhalten vor, während oder nach Besuchskontakten. Die Traumapädagogik bietet hilfreiche Ansätze für die Ausgestaltung von Besuchskontakten und die Begleitung der Kinder und ihrer Familien in diesem Kontext.
Wie die oben angeführte Studie zu Besuchskontakten bereits zeigt, trägt das subjektive Sicherheitsempfinden der beteiligten Individuen wesentlich zum Gelingen bei. Wenn Kinder, Pflegeeltern und Herkunftseltern in den für sie wesentlichen Punkten Klarheit haben und ausreichend Sicherheit empfinden, wirkt sich das positiv auf das Besuchsgeschehen aus. Ein grundlegendes traumapädagogisches Konzept – - die „Pädagogik des Sicheren Ortes“ (Kühn, 2008, S. 323) – sieht die Gestaltung eines sicheren Ortes als Basis jedes pädagogischen Umgangs mit traumatisch belasteten Kindern und Jugendlichen vor. Diese Kinder erleben einen großen Verlust an Sicherheit. Ihr äußerer sicherer Ort wird durch Erfahrungen von Verwahrlosung, Misshandlung, Missbrauch und Trennungserfahrungen zerstört. Das beeinflusst die Wahrnehmung eines inneren Sicherheitsgefühls des individuellen Selbst nachhaltig. Kühn meint, dass die Verarbeitung dieser Erfahrung, das Wiedererlangen eines ‚inneren sicheren Ortes’ zunächst einen ‚äußeren sicheren Ort’, d. h. verlässliche, einschätzbare und zu bewältigende Lebens- und Alltagsbedingungen braucht (Kühn, 2008, S. 323).

Für die Praxis der Besuchskontaktgestaltung bedeutet das vor allem, das Kind vor weiteren Traumatisierungen zu schützen. Das scheint eine klare und von vielen geforderte Grundvoraussetzung für Kinder zu sein, die von ihren primären Bindungspersonen vernachlässigt, misshandelt oder missbraucht wurden. In solchen Fällen haben Eltern nicht für nur fürsorgliche Persönlichkeitsanteile, sondern sind auch Täter bzw. TäteriInnen.

In der gelebten Praxis ist diese Forderung allerdings nicht leicht umsetzbar. Die Gefährdung der Kinder durch das Wiedererleben und das Wiedererinnern früherer Beziehungserfahrungen im Rahmen von Besuchskontakten wird von involvierten Fachpersonen des Jugendamtes, der Pflegekinderdienste und der Gerichtsgutachter oft unterschiedlich und manchmal widersprüchlich eingeschätzt. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass die Kinder und Jugendlichen ihren Eltern häufig selbst ihren Eltern ambivalent gegenüber stehen. Sie sind entsprechend ihrer biologischen Veranlagung teils an ihre primären Bezugspersonen gebunden, weil ihr Überleben davon abhängig war, und gleichzeitig können sie überwältigende Angst und Wut gegenüber ihren Eltern empfinden. Eine Aussetzen der Besuchskontakte findet selten statt, da die Tatsache der früheren Traumatisierung durch Eltern alleine selten ausreicht und gegenwärtig anhaltende Gefährdungen im Rahmen von Besuchskontakten als diese solche nicht erkannt oder von den beteiligten Fachpersonen unterschiedlich eingeschätzt werden.

Was hier schnell deutlich wird: einen gänzlich sicherer Ort herzustellen, ist beinahe nicht möglich. Es kann aber ein Ort größtmöglicher Sicherheit angestrebt werden. Vor allem im Verhalten zeigen die Kinder, wenn sie verunsichert sind und sie sich nicht wohl fühlen (z. B. Rückzug, oppositionelles Verhalten, Schlafstörungen, psychosomatische Symptome etc.). Das kann ein Indikator sein, Besuchsregelungen zu überdenken und zu modifizieren. Folgende Faktoren könnten bei dem Bemühen um einen möglichst sicheren Ort betrachtet werden:

  • An welchem Ort finden die Besuchskontakte statt? Fühlt sich das Kind in der Besuchssituation und in der Anwesenheit der Eltern dort wohl und sicher (bei den Herkunftseltern zu Hause, iam Jugendamt, beim im Pflegekinderdienst, am auf dem Spielplatz, bei der Pflegefamilie etc.)? Fühlen sich auch die Herkunftseltern und Pflegeeltern an diesem Ort gut aufgehoben? Ein neutraler Ort heißt nicht unbedingt, dass er für das Kind optimal ist (z. B. das Jugendamt kann für ein Kind eine Erinnerung an die Kindesabnahme auslösen).
  • Gibt es für das Kind die Möglichkeit, die Räumlichkeiten, den Ort zu verlassen? Kann es sich zurückziehen und zwischen Nähe und Distanz zu seinen Eltern selbst wählen?
  • Von wem wird das Kind begleitet? Handelt es sich dabei um eine aktuelle Bezugs- oder Vertrauensperson, die das Kind als haltgebend und beruhigend wahrnimmt? Professionelle Besuchsbegleiter/iInnen können zwar eine neutrale Position gegenüber den Beteiligten bieten, aber sind sie auch die geeignete Person, die dem Kind in dieser belastenden Situation Sicherheit vermitteln kann? Dazu braucht es von Seiten des (durch die traumatischen Beziehungserfahrungen oft misstrauischen und bindungsängstlichen) Kindes häufig mehrere und andauernde vertrauensbildende Maßnahmen und gewachsene Beziehung. Gibt es die Möglichkeit, dass die Pflegeeltern als aktuelle Bindungspersonen beim Besuchskontakt anwesend oder zumindest in der Nähe sind?
  • Wie sicher ist das Pflegeverhältnis aus der Sicht der Kinder, Pflegeeltern und Herkunftseltern? Bedeuten Besuchskontakte eine regelmäßig wiederkehrende Verunsicherung, ob das Kind bei der Pflegefamilie bleiben wird? Gibt es (unausgesprochene) Rückführungswünsche oder -–pläne von den Herkunftseltern oder vom Jugendamt? Sind die Langzeitperspektiven in Bezug auf den Verbleib des Kindes unter den Erwachsenen besprochen? Und gibt es darüber eine Einigkeit, wozu die Besuchskontakte dienen (Bindungsförderung zu den Pflegeeltern, indem Kinder durch die Besuchskontakte auch Trauerarbeit in Bezug auf den Verlust der Herkunftseltern leisten können; Aufrechterhalten der Verbindung zur Herkunftsfamilie oder Bindungsintensivierung zu den Herkunftseltern zum Zwecke einer Rückführung)?
  • „Die Pädagogik der Selbstbemächtigung“ nach Wilma Weiß (2013) - ebenfalls ein zentrales Konzept der Traumapädagogik - beinhaltet weitere hilfreiche Aspekte. Der grundlegende Gedanke von Weiß ist, dass das traumatisierte Kind in seiner frühen Beziehungen die Erfahrung machte, dass es ein Objekt der Erwachsenen ist und den Entscheidungen und Handlungen dieser Personen schutzlos ausgeliefert ist. Das Kind erlebt extreme Gefühle der Ohnmacht. An dieser Stelle unterstützt Traumapädagogik das Kind, sich aus dieser Objektrolle und Ohnmacht zu befreien und sich wieder als handelndes und wirksames Subjekt zu erleben (Weiß, 2013, S. 120-–139).

Für Besuchskontakte bedeutet das vor allem, das Verhältnis von Eltern- und Kinderrechten bei Besuchsregelungen stetig zu betrachten und zu hinterfragen. Erwachsenen können ihre Anliegen und Wünsche meist besser vertreten als Kinder, was dazu führt, dass in vielen Fällen die Position des Kindes vernachlässigt wird und die Besuchsregelung im Sinne der Eltern ausfällt. Die Teilhabe der Kinder an der Gestaltung der Besuchsregelung scheint heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Doch Partizipation hat in der Praxis seine ihre Grenzen. Wie sich in der Studie zu Besuchskontakten in den Interviews der Pflegekinder zeigte (s. o.), sind Kinder in Gesprächen (auch mit außenstehenden ‚neutralen’ Personen) sehr verhalten und vermeiden Aussagen, wenn es um Schwierigkeiten und Veränderungsnotwendigkeiten geht. Das stellt die Umsetzbarkeit der häufig geforderten Partizipation und Mitspracherecht der Kinder in Frage.

Der Schutz der Kinderrechte ist Aufgabe der verantwortlichen Obsorge innehabenden Personen oder Ämter. Häufig werden Besuchsregelungen von den verbalen Äußerungen der Kinder abhängig gemacht. Das bedeutet, dass dem Kind zugemutet wird, sich unter Umständen gegen seine ehemaligen Bezugspersonen, die Kindeseltern oder gegen die aktuellen Bindungspersonen, die Pflegeeltern, äußern zu müssen. Daher sind die Berücksichtigung der nonverbalen Kommunikation und Verhaltensweisen der Kinder bei der Entscheidung rund um Besuchsregelungen unabdingbar.

Kinder auch im Kleinen Handlungsspielräume zu bieten, kann ihnen das Gefühl der Ohnmacht nehmen. Gerade für traumatisierte Kinder ist es wichtig, ihnen die Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu erleben, indem sie beispielsweise die Wahl haben, wie sie die Verabschiedung nach dem Besuchskontakt gestalten wollen. Den Kindern sollte frei gestellt sein, ob sie sich mit einem Winken, einem Händeschütteln, einer Umarmung, einem Kuss etc. von den Herkunftseltern verabschieden wollen.

Das Kind als Subjekt zu sehen und ihm die Möglichkeit zu geben, mitzureden und mitzugestalten, impliziert auch ein transparentes Vorgehen. Erst wenn das Kind Bbescheid weiß, wann und wie etwas passiert, kann es seine Meinung oder seinen Einspruch einbringen. Pflegeeltern handhaben die Information zu bevorstehenden Besuchskontakten unterschiedlich. Manche informieren das Kind und bereiten sich gemeinsam mit dem Kind vor, andere haben die Erfahrung gemacht, dass das Kind sehr belastet ist und reagiert, wenn es vorab von dem Treffen mit den Eltern in Kenntnis gesetzt wird. Auch die häufigen Absagen der Herkunftseltern verleiten dazu, dem Kind die Enttäuschung zu ersparen, dass die Eltern nach der Vorankündigung nicht erscheinen. Hier vertritt die Traumapädagogik den Ansatz, dass das Kind in seiner Subjektrolle anerkannt und ernst genommen werden sollte. Das gelingt nicht, wenn man es mit dem Besuch der Eltern überrascht und das Kind von seinen Gefühlen unmittelbar überrollt wird.

Die pädagogische Aufgabe ist es, dem Kind die Information zur Verfügung zu stellen, seine Wünsche und Bedürfnisse vorab wahrzunehmen und es bei der Regulation seiner mit dem Besuchskontakt verbundenen, vielfältigen Emotionen zu unterstützen. Für das Kind kann die Bewältigung solcher herausforderndenr Situationen eine Selbstwertstärkung und persönliche Weiterentwicklung bedeuten, solange es nicht zu einer übermäßigen oder andauernden Überforderung kommt. Was es dazu braucht, sind reflektierte und selbsterfahrene Erwachsene – - Pflegeeltern, Herkunftseltern und Fachpersonen –, die im besten Fall als ein stimmiges Netzwerk und mit möglichst sicheren und kontinuierlichen Bindungsangeboten zur Seite stehen, und äußere Strukturen, die das ermöglichen.

Carmen Hofer-Temmel ist Sozialarbeiterin, Traumapädagogin und traumazentrierte Fachberaterin i. A. (DeGPT/BAG TP). Mehrjährige Tätigkeit in unterschiedlichen Funktionen im Pflegefamilienbereich sowie in einer Mutter-Kind-Wohngemeinschaft. Leitung eines Fachbereiches zur Beratung und Begleitung von Pflegefamilien. Forschungstätigkeit an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Christina Rothdeutsch-Granzer ist Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin, Traumapädagogin und traumzentrierte Fachberaterin (DeGPT/BAG TP). Arbeitsfelder seit 2001: ambulante Jugend- und Familienhilfe, Streetwork im Bereich Sucht und Drogen in Zürich, Traumapädagogische Wohneinrichtung für komplex traumatisierte junge Menschen. Aktuelle Schwerpunkte: Pflegefamilienarbeit und –forschung, Referentin des Zentrums für Traumapädagogik Hanau/Graz.

Literatur

  • Biehal, N., Ellison, S., Baker, C., & Sinclair, I. (2010):. Belonging and Permanence: Outcomes in long-term foster care and adoption. London: BAAF.
  • Hofer-Temmel, C., & Rothdeutsch-Granzer, C. (o. J.):. Brücken zwischen Familien. Eine theoretische Rahmung von Besuchskontakten basierend auf Sichtweisen der Pflegekinder, Pflegeeltern und Herkunftsfamilien. Unveröffentlichte Dissertation. Karl-Franzens-Universität Graz.
  • Kötter, S. (1997):. Besuchskontakte in Pflegefamilien: das Beziehungsdreieck Pflegeeltern-Pflegekind-Herkunftseltern (2. veränderte Auflage). Regensburg: Roderer.
  • Kühn, M. (2008).: Wieso brauchen wir eine Traumapädagogik? Annäherung an einen neuen Fachbegriff. Trauma und Gewalt. Forschung und Praxisfelder. Themenheft Traumapädagogik I., (2 Jg., Heft 4), 318-–327.
  • Neil, E., Cossar, J., Jones, C., Lorgelly, P., & Young, J. (2011):. Supporting Direct Contact after Adoption. London: BAAF.
  • Neil, E., & Howe, D. (Hrsg.). (2004):. Contact in Adoption and Permanent Foster Care. Research, Theory and Practice. London: Britisch Association for Adoption and Fostering.
  • Salgo, L. (2013):. Umgangsausschluss wegen psychischer Destabilisierung des Pflegekindes verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. paten, (2), 22-–24.
  • Sinclair, I., Wilson, K., & Gibbs, I. (2005):. Foster Placements. Why They Succeed and Why They Fail. London; Philadelphia: Jessica Kingsley Publishers.
  • Weiß, W. (2013):. Philipp sucht sein Ich. Zum pädagogischen Umgang mit Traumata in den Erziehungshilfen. (7. Auflage). Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

Marginalien

  • Besuchskontakte sind ein Recht sowohl der Eltern als auch der Kindern. Im Zweifelsfall steht das Kindeswohl an erster Stelle.
  • Je älter das Kind ist und je weniger vorhergehende Unterbringungen es gab, desto wahrscheinlicher sind bleibende Besuchskontakte.
  • Die Wirkung und Qualität des Besuchskontaktes ist dann gut, wenn er die Entwicklungsaufgaben des Kindes fördert oder zumindest nicht stört.
  • Das Gelingen von Besuchskontakten hängt davon ab, ob die einzelnen Beteiligten in einem für sie ausreichenden Maß Halt und Sicherheit empfinden.
  • Die pädagogische Aufgabe ist es, dem Kind Informationen zur Verfügung zu stellen, seine Wünsche und Bedürfnisse vorab wahrzunehmen und es bei der Regulation seiner mit dem Besuchskontakt verbundenen Emotionen zu unterstützen.

Erstveröffentlichung des Artikels in "frühe Kindheit Nr. 5/15"

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Resümee

Miterlebte häusliche Gewalt weist wegen der anzunehmenden Schädigung und anhaltenden Folgewirkungen auf ein hohes Risiko für das Kindeswohl hin, so dass Umgangskontakte mit dem Täter grundsätzlich in Zweifel zu ziehen sind. Der Ausheilungsprozess von Traumatisierungen braucht wegen der sich um das Trauma gruppierenden schweren Folgewirkungen oftmals Jahre und ist für ein Kind ungeheuer schwer auszuhalten.