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04.01.2012
Fachartikel

Hilfe, ich werde verrückt!

Ein Referat über Pflegefamilien im Kontext sozialer Anforderungen, Leistungsorientierung, Integration und Verarbeitung traumatischer Erfahrungen.

Themen:

Einführung des Autors Werner Frieling in den Artikel:

Der Titel: "Hilfe, ich werde verrückt" sagt bereits aus:
Wenn Pflegeeltern verstehen worum es bei der Bearbeitung der Problemlagen von Pflegekindern geht, ist die Gefahr, dass sie sich darin verirren sehr groß.
Die in der Pflegefamilie zu bewältigenden Prozesse, die Reaktionen und die Abkehr von "richtig" und "falsch", sind zentrale Themen der Pflegefamilie. Auch sie muss lernen, sich selber verzeihen.
Die Pflegeeltern, die ich kenne, sehen sich oft den unterschiedlichsten Reaktionen seitens des Pflegekindes gegenüber. Sie können diese Reaktionen oder Aktionen des Kindes nicht zuordnen, weil sie sie häufig nur mit einem oder vielleicht zwei Pflegekindern erleben. Sie fühlen sich nicht berechenbarem und nicht zuzuordnendem Verhalten ausgesetzt. Zum Teil glauben sie, das Kind mache das extra. Z. B. reißt es die Tapeten von der Wand oder ist unruhig: „und das nur, weil ich ein Bett umgestellt habe? Lächerlich ist das.“ So ist die häufige Reaktion von Pflegeeltern.
Pflegeeltern fühlen sich sehr schnell für das Verhalten des Kindes verantwortlich.
Sie glauben daher, sie selber seien verrückt. „Ich verstehe das nicht, die ganze Nacht brennt das Licht und dann schreit es noch immer.“
Aus der Sicht des Kindes ist sein Verhalten eine völlig normale Reaktion auf sein vorheriges Erleben.
Wichtig hierbei ist, dass auch Pflegeeltern und Pflegekinder lernen müssen, diese Normalität zu sehen. So kann auch das eigene scheinbar „verrückte“ reaktive Verhalten von Pflegeeltern als durchaus normale Reaktion auf das verrückt machende Verhalten eines Pflegekindes gesehen werden.
Eigentlich ist es vollkommen normal, dass ein Kind nachts weint und Zuwendung benötigt. Ein Pflegekind ist vielleicht häufiger in dieser Situation. Es benötigt eben mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit. Es braucht seine Pflegeeltern intensiver als ein Kind, das in dieser Familie geboren wurde und sich dort „zu Hause“ fühlt.

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