Sie sind hier

28.06.2012
Fachartikel

Kindeswohl - Bedürfnislage und gefährdende Lebensbedingungen

Übersicht über die Bedürfnisse von Kindern und wie deren Erfüllung gefährdet wird.

Themen:

(in: Dettenborn, Harry: Kindeswohl und Kindeswille, 2001, S. 51)

Bedürfnis / Gefährdung (soziale Risikofaktoren)

  • Körperliche Zufriedenheit durch Nahrung, Pflege, Versorgung Fehlernährung, mangelnde Gesundheitsvorsorge, Verhinderung notwendiger Heilmaßnahmen, mangelnder Schutz vor Suchtstoffen
  • Sicherheit Stärke oder Häufung nicht vorhersehbarer unbeeinflussbarer Ereignisse mit negativen Folgen (Bindungsabbrüche, Personen-verluste); Diskontinuität der Lebensbedingungen; massive Defizite, eingeengter Wohn- und Lebensraum, Lärm
  • Emotionale Zuwendung in stabilen sozialen Beziehungen Häufig wechselnde Bezugspersonen, Erleben von Feindseligkeit, Ablehnung, Gleichgültigkeit, Desinteresse seitens der Bezugspersonen, Fehlerziehungsformen, Instrumentalisierung für Erwachseneninteressen, Belastung mit Konflikten anderer, unnötige emotionale Konflikte, Angstinduzierung, Misshandlung, Missbrauch
  • im Kern sichere Bindungen Instabile emotionale Beziehungen, Mangel an Empathie und feinfühliger Fürsorge durch Bezugspersonen; Trennungsangst, Vorschädigung durch Trennung und Bindung
  • Umwelterkundung Misslingen sicherer Bindung, mangelnde Anregung, inadäquate Reaktion auf Neugierverhalten bzw. Erkenntnisstreben, Missachtung von Fragephasen
  • Zugehörigkeit Ausgrenzung, (Selbst-)Isolierung, Loyalitätskonflikte, unklare Grenzen oder Rollen im Familiensystem, dysfunktionale Regeln, Außenseiterpositionen in Gruppierungen, unangemessene Anforderungen für Zugehörigkeit
  • Anerkennung Unangemessenes Anspruchsniveau, inadäquate Rückmeldung auf Sozial- und Leistungsverhalten, Kumulation von Misserfolgen im Sozial- und Leistungsverhalten, Überforderung
  • Orientierung Pendelerziehung, zu starre oder unklare Grenzen zwischen Kind und Erwachsenem, mangelnde Vermittlung von Moral- und Leistungsnormen, von Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, mangelnde Gelegenheit zur Übernahme von Verantwortung, zur angemessen Konfliktaustragung; mangelnde Identifikationsmöglichkeit und Vorbildwirkung von Bezugspersonen; chaotische Lebensbedingungen
  • Selbstbestimmung Ausnutzung von Abhängigkeiten, übermäßige Kontrolle, Missachtung und Vereitelung angemessener Interessen und Verhaltensintentionen, Handlungen; Verhinderung von Verantwortungsübernahme und Partizipation, Falschpatzierung durch Behörden
  • Selbstverwirklichung Verhinderung von Individuation, Selbstreflexion, Selbstkontrolle, Einengung von Kreativität
  • Wissen / Bildung Mangelnde Anregung und Förderung, Verletzung der Aufsichtspflichten, Demotivierung im Leistungsbereich; Mängel in Bildungs- bzw. Ausbildungsinstitutionen

Das könnte Sie auch interessieren

Nachricht aus Hochschule und Forschung

Bilanzbericht des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung:

Der Bundesbeauftragte stellt fest: „Keine Entwarnung. Kein Schlussstrich. Trotz wachsender Sensibilität: Nach der Bundestagswahl braucht sexueller Kindesmissbrauch höheren politischen Stellenwert“
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Forschungsprojekt "Innerfamiliäre Tötungsdelikte bei Konflikten"

Das Jugendamt Karlsruhe, unter­stützt von der Stiftung Deutsche Jugend­­­marke e. V., untersucht die Lebens­­si­tua­tion und die Bewäl­tigungsstra­te­­gien von Kindern und Jugend­­­li­chen, die familiäre Gewal­tes­­ka­la­tion überlebt haben. Bei der Interview-Studie steht das subjektive Erleben der mittler­weile volljäh­ri­gen Kinder im Vorder­­grund.
Stellungnahme

von:

Pflegeelternrat fordert besseren Schutz der Kinder

Nach einer erneuten schweren Misshandlung eines Kindes in einer vom Jugendamt betreuten Familie hat der Pflegeelternrat Hamburg eine Presseerklärung herausgegeben, in dem er weitreichendere Maßnahmen für einen besseren Schutz der Kinder in Hamburg fordert.
Stellungnahme

Daten und Fakten zu Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat als Material für die Presse eine zweiseitige Erklärung zur Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung herausgegeben.
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Forschungsprojekt zum Missbrauch von Kindern präsentiert Ergebnisse

Das Forschungsprojekt „MiKADO – Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer“ an der Universität Regensburg ist abgeschlossen. Die Ergebnisse verdeutlichen das Ausmaß des Problems und die Notwendigkeit eines umfangreichen Maßnahmenpakets zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen
Abschlussbericht

Zwei Studien zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch

Studie 1: "Sexueller Kindesmissbrauch und die Arbeit der Jugendämter" - Studie 2: "Wege zu mehr Gerechtigkeit nach sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend". Beide Studien wurden von der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs gefördert oder beauftragt. 
Nachricht aus Hochschule und Forschung

Millionenförderung für Forschungsprojekt zu Folgen von Vernachlässigung im Kindesalter

Wissenschaftler analysieren Auswirkungen negativer Lebenserfahrungen in früher Kindheit auf die Gesundheit. Etwa eins von zehn Kindern in den westlichen Industrieländern ist von Misshandlung betroffen, belegen aktuelle Untersuchungen. Das kann weitreichende Folgen für die psychische und körperliche Entwicklung haben. Diese Faktoren untersuchen Forscher der Universitätsmedizin Leipzig im Verbund in einer zweiten Förderperiode. Das Projekt trägt einen interdisziplinären Modellcharakter und führt Experten der Medizin, Mitarbeiter der Jugendhilfe und der Jugendämter sowie psychobiologische Grundlagenforscher zusammen und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Gerichtsbeschluss erklärt

Sorgerechtsentzug nur bei eingehender Feststellung der Kindeswohlgefährdung

Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes vom 19. Nov. 2014 erläutert deutlich, dass ein Sorgerechtsentzug eine klare Kindeswohlgefährdung voraussetzt und beschäftigt sich besonders mit dem Gutachten, welches in den Vorinstanzen zum Sorgerechtsentzug geführt hat.
Fachartikel

von:

Kinderschutz - wenn Pflegefamilien Kinder mit Gewalterfahrungen aufnehmen

Bevor Kinder in Pflegefamilien vermittelt werden, haben sie oft Zeiten erlebt, in denen ihr Kinderschutz z.B. durch Gewaltanwendungen im körperlichen, emotionalen und/oder sexuellen Bereich verletzt worden ist. Mit diesen oft traumatisierenden Vorerfahrungen kommen die Kinder dann in ihre Pflegefamilien. Das bisher Erlebte prägt ihr Verhalten und ihre Empfindungen - es ist daher von besonderer Bedeutung, dass die Pflegefamilien auch wissen, was die Kinder erlebt haben. Die Praxis zeigt jedoch immer wieder, dass Kinder ohne Rücksicht oder Wissen ihrer Geschichte in Familien vermittelt werden und auch oft keine passende Begleitung oder Beratung angeboten wird. Kann der Kinderschutz so gewährt werden?
Bericht zur Veranstaltung

Hörfunksendung des BR2 zum Thema sexueller Missbrauch

In dem "Notizbuch Freitagsforum" gab es am 3.Juni die Sendung "Wie Missbrauchsopfer zurück ins Leben finden"