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31.07.2013

Schulsituation von Schülern mit FASD

Bisher wird die Förderung von Schülern mit FASD an Förder- und Regelschulen mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Das hat zur Folge, dass die Schullaufbahn von Kindern mit FASD von Umschulungen, Abbrüchen und Niederlagen geprägt ist.

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Bisher wird die Förderung von Schülern mit FASD an Förder- und Regelschulen mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Das hat zur Folge, dass die Schullaufbahn von Kindern mit FASD von Umschulungen, Abbrüchen und Niederlagen geprägt ist sowie gekennzeichnet ist von pädagogischer Hilflosigkeit der Fachkräfte.

Noch immer ist der Bekanntheitsgrad des FASD selbst bei Lehrkräften an Förderzentren zu gering. Aktuelles Wissen hierüber haben sie weder in der Ausbildung noch in der bisherigen Praxis erworben. Es besteht nur bei wenigen die Bereitschaft, sich nach dem Studium zum Thema FASD fortzubilden. Die spezifischen Lern- und Verhaltensauffälligkeiten der Schüler mit FASD werden selten von ihnen erkannt und beachtet. Somit konnte bisher eine spezielle Förderung der betroffenen Schüler nur selten gewährleistet werden. Die Überzahl der Lehrer nehmen zwar die Schwächen ihrer Schüler mit FASD sehr sorgfältig wahr, während deren Stärken und Kompetenzen kaum von ihnen registriert werden. Kinder mit FASD werden oft in ihren Fähigkeiten falsch eingeschätzt und daher häufig mit zu hohen Erwartungen überfordert.

Dass von den zuständigen Pädagogen überwiegend negative Verhaltensweisen wahrgenommen werden, ohne dass differenzierte therapeutische oder kompensierende Fördermaßnahmen durchgeführt werden, ist überwiegend auf fehlende materielle sowie personelle Ressourcen als auch auf fachlich nicht differenziert vorhandenes Wissen zurückzuführen. Lehrer orientieren sich überwiegend an einer Normalität, die FASD Kinder nicht erfüllen können. Das Förderziel, Entwicklungsverzögerungen zu beheben, ist aufgrund der irreversiblen Hirnschädigungen nicht erreichbar.

Die Beeinträchtigungen der Schüler mit FASD werden von den Lehrkräften oft unterschätzt, während ihre Stärken und besonderen Fähigkeiten oft nicht erkannt werden. FASD Schüler mit einer durchschnittlichen Intelligenz werden oft überfordert und reagieren auf den unverhältnismäßigen Leistungsdruck oftmals mit unangemessenem Verhalten. Aufgrund ihrer FASD bedingten Auffälligkeiten sind Schüler im Klassenverband häufig isoliert. Bedauerlicherweise erhalten sie von den Pädagogen zu wenig Verständnis und Hilfestellung im emotionalen und sozialen Bereich. Wirkliche Entwicklungsfortschritte sind meistens nur sehr langsam und geringfügig zu erreichen.

Bisher findet kaum eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Pädagogen, Therapeuten, Vertretern der Jugendhilfe und Eltern statt. Die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern ist häufig dadurch erschwert, dass Eltern, insbesondere Adoptiv- und Pflegeeltern im Gegensatz zu den Lehrkräften über ein höheres Fachwissen hinsichtlich FASD verfügen, Lehrkräfte oftmals Eltern für die FASD bedingten Verhaltens-auffälligkeiten ihrer Kinder verantwortlich machen, die Entwicklungsdefizite auf eine zu verwöhnende oder zu behütende Erziehungshaltung der Eltern zurückführen. Dabei ist gerade bei Schülern mit FASD eine enge Zusammenarbeit und Austausch zwischen Schule und Eltern notwendig.

Es ist dringend erforderlich, Wissen über FASD in die Ausbildung und Fortbildung von Sonderpädagogen aufzunehmen. Erfreulich ist es festzustellen, dass das Thema FASD zunehmend mehr Beachtung in der Öffentlichkeit, im Internet und den Medien findet und es zunehmend mehr Literatur und Infomaterial hierüber gibt. Um Schülern mit FASD die die notwendigen Rahmenbedingungen eines für sie geeigneten Entwicklungs- und Lernumfeldes zu schaffen, ist es erforderlich, an jeder Schule einen speziellen Beratungslehrer mit entsprechendem Fachwissen über FASD einzustellen. Nur so besteht die Chance, Schülern mit FASD eine befriedigende Schullaufbahn zu ermöglichen.

Literatur und Quellen:

  • Reinhold Feldmann, Universitätsklinik Münster, Kinder und Jugendliche mit Fetalem Alkoholsyndrom in Schule und Ausbildung
  • Reinhold Feldmann, Universitätsklinik Münster, Unterstützung für Kinder mit FAS
  • Monatsschrift Kinderheilkunde 2007, R. Feldmann, H.Löser, J-Weglage, Fetales Alkoholsyndrom
  • Center for Substance Abuse Prevention, Substance Abuse and Mental Health Services Administration 2006, Reach to Teach, Erfolgreich in der Schule, übersetzt für Fasworld e.V. Deutschland
  • Martina Minke, 2012, Wissen und Kompetenzen von Lehrkräften an Förderzentren im Hinblick auf das Fetale Alkoholsyndrom, Eine empirische Untersuchung an den För-derzentren in Schleswig-Holstein

Frauke Zottmann-Neumeister
Königswinter, 15.05.2013

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