Sie sind hier

Tiefergehende Information

Häufig gestellte Fragen an die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Wie sieht das Leistungsverhalten der Kinder und Jugendlichen mit ADHS aus? Sind hyperaktive Kinder häufiger aggressiv?

Themen:

Wie sieht das Leistungsverhalten der Kinder und Jugendlichen mit ADHS aus?

Wenn die Motivation für eine Aufgabe vorhanden ist, können die Kinder und Jugendlichen ausgezeichnete Leistungen erbringen. Aufgrund der kurzen Aufmerksamkeitsspanne tun sie sich jedoch schwer mit Aufgaben, die einen längeren zeitlichen Rahmen beanspruchen. Insbesondere solche Aufgaben, bei denen viel Information im aktuellen Arbeitsgedächtnis zu behalten ist, gelingen nicht so gut. Typisch ist auch ein Absacken des Leistungsbildes im Laufe einer längeren Aufgabe oder am späteren Vormittag. Das Arbeitsverhalten unterliegt zudem starken Schwankungen: Einmal liefert das Kind eine brauchbare Arbeit ab und versagt bei einer vergleichbaren Aufgabenstellung beim nächsten Mal. Diese Beobachtung kann zu dem falschen Schluß verleiten: "Er / sie kann doch, wenn er / sie will!"

Auch in der Motivation und Anstrengungsbereitschaft ist mit starken Schwankungen zu rechnen. Misserfolge schwächen die Motivation zusätzlich, so dass bestimmte Aufgaben gemie-den werden. Dieses Phänomen ist auf Mängel in der Fähigkeit, sich selbst zu steuern und mit Frustrationen umzugehen, zurückzuführen. Schwierig für diese Kinder sind eigenständige Kontrollschritte, z. B. Lösungen nochmals zu überprüfen. Dazu müssen die Kinder direkt und konkret angehalten werden.

Zusätzlich zur Aufmerksamkeitsstörung liegen häufig weitere Teilleistungsstörungen vor. Hier sind insbesondere Störungen der visuellen oder akustischen Wahrnehmungsdifferenzierung und der Steuerung der Feinmotorik zu nennen. Die Folge sind Schwierigkeiten in der Graphomotorik, was sich in einem unregelmäßigen, schlechten Schrift-bild äußert. Besonders schwerwiegend sind Lese-Rechtschreib-Schwäche und Rechenschwäche, insbesondere wenn sie kombiniert auftreten

Sind hyperaktive Kinder häufiger aggressiv?

Primär nein! Aber hyperaktive Kinder erscheinen durch ihr impulsives Verhalten häufig aggressiv. Auf kleine Irritationen reagieren sie oft mit einer Überschussreaktion, die von Gleichaltrigen oder Erwachsenen nicht verstanden und daher als aggressives Verhalten eingestuft wird. Auslöser dieser Überreaktionen sind z. T. Störungen aus dem Bereich der Wahrnehmung. Häufig haben die Kinder Schwierigkeiten, Mimik und Gestik von anderen Personen angemessen zu interpretieren, sie fühlen sich schnell bedroht und provoziert und schießen mit ihrer Reaktion über das Ziel hinaus.

Aggressive Verhaltensweisen entstehen im weiteren Verlauf aber möglicherweise aus den ständigen Frustrationen heraus, die die Kinder in allen möglichen Bereichen erleben: Sie sehen, dass sie im Leistungsbereich mit den anderen nicht mithalten können, sie werden selten gelobt, aber ständig kritisiert, sie trauen sich nichts zu, manche sind sprachlich weniger geschickt. So finden sie in aggressiven Verhaltensweisen am ehesten eine Möglichkeit, sich durchzusetzen und auf sich aufmerksam zu machen.

Diese und noch mehr Fragen finden Sie hier beantwortet.

Letzte Aktualisierung am: 
19.08.2012

Das könnte Sie auch interessieren

Tiefergehende Information

Ursachen und Diagnose von ADHS

Nach den neuesten Forschungen geht man davon aus, dass ADHS eine Funktionsstörung in den Teilen des menschlichen Gehirns sind, die verantwortlich sind für Problemlösung, Planung und Impulskontrolle.
Tiefergehende Information

Veröffentlichung der BGZA zum Thema ADHS

1.Veröffentlichung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Konferenz des Bundesministeriums zum Thema ADHS 2. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse Band 65 - ADHS bei Kindern und Jugendlichen
Alltag mit Kindern

Hilfe für ADHS-Kinder - Zappelphilipps haben häufig Mangel an bestimmten Nährstoffen

Von der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) sind vor allem Kinder und Jugendliche und besonders Jungen betroffen. Etwa 5 bis 20 Prozent der Schulkinder leiden Schätzungen zufolge unter ADHS. Die Kernsymptome der unbändigen Rebellen und Zappelphilipps sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und motorische Unruhe. Folgen sind häufig schulischer Leistungsabfall, soziale Isolation und ein schlechtes Selbstwertgefühl. Neueste Studien haben gezeigt, dass auch eine Unterversorgung mit Omega-3-Fettsäuren und anderen Mikronährstoffen den Energiestoffwechsel des Gehirns negativ beeinflussen.
Tiefergehende Information

ADHS oder KISS (KIDD) Syndrom?

Auf unser Thema ADHS hin informierte uns eine Adoptivmutter, dass ADHS und das KISS(KIDD) ähnliche Symptome aufweisen.
Tiefergehende Information

KISS-Syndrom/KIDD-Syndrom

KISS- und KIDD-Syndrom
Tiefergehende Information

Komorbide Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit einer ADHS

Wer Menschen mit einer ADHS kennt, weiss es bestens: Eine ADHS kommt selten allein. Tatsächlich ist das Störungsbild auf das Engste verwoben mit anderen Faktoren, welche Ausprägung und Verlauf der Krankheit mitbestimmen. Dazu gehört in erster Linie die Art, wie in der Familie und der Schule dem betroffenen Kind begegnet wird. Daneben kann der Verlauf einer ADHS wesentlich durch psychische Begleiterkrankungen, sogenannte Komorbiditäten, geprägt sein.
Tiefergehende Information

Hilfe für ADHS-Kinder: Besseres Zeitmanagement

Mit einem optimierten Zeitmanagement, zum Beispiel durch Strukturierung komplexer Aufgaben in Teilaufgaben, könnten mit ADHS einhergehende Probleme im Schulunterricht besser bewältigt werden, meint der Frankfurter Wissenschaftler Helmut Prior
Tiefergehende Information

ADHS

Obwohl Jugendliche mit ADHS grundsätzlich nicht weniger intelligent sind als Jugendliche ohne ADHS, haben deutlich mehr von ihnen Schulprobleme.
Alltag mit Kindern

Verhaltensforschung: Schlafmangel kann bei Kindern ADHS verursachen

Ausgeschlafene Kinder zeigen ein viel besseres Verhalten und zusätzlich eine reduzierte Neigung zu ADHS, der sogenannten Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Störung. Das ist das Ergebnis einer finnischen Studie mit 280 gesunden Sieben- bis Acht-Jährigen.
Erfahrungsbericht

Eine Geschichte über Recht, Gesetz und Nächstenliebe

Wir sind eine "Erziehungsstelle" - das heißt, unsere zwei 13 jährigen ADHS-Jungs, mein Mann und ich. Unsere leiblichen Kinder sind erwachsen und aus dem Haus. Wir wohnen auf einem kleinen Dorf am Wald. Alle kennen uns, unsere lebhaften, lauten und oft unangepassten Kinder. Sie kennen aber auch ihre nette, hilfsbereite und fleißige Seite. Ich glaube tauschen möchte trotzdem keiner mit uns. Wir haben beide Jungs als Kleinkinder aufgenommen - es sind unsere Jungs ohne Wenn und Aber!