Sie sind hier

28.05.2020
Hinweis

Die Inobhutnahme als Beispiel für unterschiedlichstes Handeln in der Jugendhilfe

Artikel "Inobhutnahme: Blackbox Jugendamt" von ZEIT ONLINE. Lange vor Beginn der Corona-Krise hat ZEIT zahlreiche Daten über sogenannte Inobhutnahmen aller 559 deutschen Jugendamtsbezirke ausgewertet. Die Statistiken zeigen: Selbst in geographisch benachbarten Regionen mit ähnlicher sozialer Lage reagieren die Ämter statistisch betrachtet gegensätzlich auf problematische Familiensituationen. Insgesamt belegen die Zahlen eine bundesweit eklatante Streuung. ZEIT erklärt dies mit der überaus großen Eigenständigkeit der Kommunen. ZEIT ONLINE veröfffentlicht darüber hinaus ein Interview mit dem Vorsitzenden der Familienkonferenz Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha zur Praxis in der Kinder- und Jugendhilfe als Teil der kommunalen Selbstverwaltung.

Der Artikel handelt von der Tätigkeit verschiedener Jugendämter bei Inobhutnahmen, bei Beratung und Begleitung von Eltern und bei der Vermittlung zu Pflegeeltern. Er richtet ein besonderes Augenmerk auf die Unterschiedlichkeit jugendamtlichen Handelns. Es wird gefragt, ob es überhaupt eine schwierigere staatliche Entscheidung gebe als die, ein Kind von seinen Eltern zu trennen - und ob für diese Entscheidung nicht überall im Land die strengsten Qualitätsstandards gelten sollten. Im Rahmen der Schilderung eines Einzelfalls wird deutlich, dass die Erfahrung der betroffenen Mutter symptomatisch sind für die Konstruktionsfehler im amtlichen Kinder- und Jugendhilfesystem in Deutschland. Denn viele Mitarbeitende in den Jugendämter bemühen sich zwar aufopferungsvoll um gefährdete Kinder, doch die Probleme des Kinderschutzes reichen weit über Einzelfälle hinaus - sie haben Struktur. Im Artikel wird auf eine umfassende Recherche zu diesem Thema verwiesen. Das Ergebnis sei, dass das sich ergebende Bild einem Flickenteppich gleiche - bestehend aus 559 Jugendämtern, die zwar nach dem selben Bundeskinderschutzgesetz arbeiten, allerdings ohne einheitliche Systematik. Besonders eindringlich wird darauf hingewiesen, dass die Kinder- und Jugendhilfe in die Hoheit der kommunalen Selbstverwaltung fällt und keine übergeordnete Instanz die Arbeit der Ämter beaufsichtigt. Bund und Länder können zwar Empfehlungen abgeben, die Entscheidungen lägen aber immer beim jeweiligen Bürgermeister oder Landrat. 
Nach Ausbruch der Corona-Krise hat die ZEIT 25 Jugendämter gefragt, wie sie in diesen Krisenzeiten arbeiten. Auch hier zeigte sich ein völlig unterschiedliches Bild. Sowohl was die Begleitung und Beratung betrifft als auch den Umgang mit Besuchskontakten. 

In einem weiteren Artikel publiziert die ZEIT ein Interview mit dem Baden-Württembergischen Gesundheitsminister Manfred Lucha - Vorsitzender der Familienkonferenz.  Dieses Interview beschäftigt sich im besonderen Maße mit der Frage der Qualität der Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe und der Problematik der kommunalen Selbstverwaltung. Hier fragt die ZEIT auch nach der Umsetzung der Qualitätsstandards. Lucha betont: die Länder üben keine Fachaufsicht über die Jugendämter aus, lediglich die Rechtsaufsicht liegt bei ihnen. Bislang sei die Rechtsaufsicht eng begrenzt darauf gewesen, zu überprüfen, ob eine Verwaltung, ein Jugendamt, gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen habe oder eben nicht. Die Länder wollen aber auch bei der Qualität mitreden.

Das könnte Sie auch interessieren

Interview

von:

Wie lebt es sich als Sozialarbeiterin im Pflegekinderdienst mit einem starken Verein?

Interview mit der Sozialarbeiterin eines Pflegekinderdienstes in einer Stadt, in der es einen engagierten und erfahrenen Pflegeelternverein gibt.
Kommentar

von:

Neuer Anlauf - neues Glück?

Als Teilnehmerin der Auftaktveranstaltung "Mitreden - Mitgestalten" habe ich meine Eindrücke zusammengefasst.
Nachricht

von:

Neue Website des Dialogforums Pflegekinderhilfe

Das Dialogforum Pflegekinder tagt – im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) – seit 2015. Auf der neuen Webseite des Dialogforums können Expertisen, Diskussionspapiere und Veranstaltungsberichte rund um zentrale Themen der Pflegekinderhilfe abgerufen werden.
Hinweis

Die Westfälischen Pflegefamilien (WPF) werden 25 Jahre alt

Das Landesjugendamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe LWL hat in den 1990er Jahren die Idee der Westfälischen Pflegefamilien entwickelt. Inzwischen arbeiten 50 Träger nach diesem Modell im Trägerverbund Westfälische Pflegefamilien zusammen.
Hinweis

von:

Beihilfekataloge im Internet

Die Stadt Magdeburg hat den Beihilfekatalog für die Vollzeitpflege ins Internet gestellt. Dies hat uns veranlasst, auf die Suche nach weiteren Veröffentlichungen von Beihilfen durch Jugendämter zu gehen und wir sind fündig geworden. Allerdings gibt es für die Tatsache, dass wir in Deutschland 563 Jugendämter haben, viel zu wenige, die diesen Schritt tun. Wahrscheinlich haben wir auch nicht alle Veröffentlichungen gefunden - bitte schicken Sie uns daher Ihre Informationen, wenn auch Ihre Veröffentlichungen genannt werden sollen.
Hinweis

Anstellung von Pflegeeltern im Burgenland

Das Burgenland (Österreich) bietet Pflegeeltern eine Anstellung durch das Land analog des bereits bestehenden Anstellungsmodells für pflegende Angehörige. Das Burgenland sieht sich damit als Vorreiter in der Kinder- und Jugendhilfe und will einen sozialpolitischen Meilenstein setzen.
Bericht

von:

Netzwerk zu mehr Qualität– der Arbeitskreis der Pflegekinderdienste im Rhein-Erft- Kreis

Die zehn Jugendämter des Rhein-Erft-Kreises haben vor achtzehn Jahren einen Arbeitskreis gegründet, um die Rahmenbedingungen der Pflegekinderhilfe in ihren Kommunen zu verbessern und gemeinsam Dinge zu ermöglichen, die ein einzelnes Jugendamt nicht schaffen könnte. Ein Höhepunkt dieses Netzwerkes war der gemeinsame Pflegefamilientag aller Kommunen des Rhein-Erft-Kreises.
Nachricht

Neuer Erlass zum Pflegegeld in Schleswig-Holstein

Das zuständige Ministerium in Schleswig-Holstein hat am 21. Dezember 2023 seinen Erlass für die Pauschalbeträge in der Vollzeitpflege verändert und übernimmt nun ab 1. Januar 2024 komplett die Empfehlungen des Deutschen Vereins, sowohl die Kosten für den Sachaufwand, als auch die Kosten für Pflege und Erziehung.
Nachricht

Pauschalbeträge Vollzeitpflege für 2024 in NRW

Durch einen Runderlass des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen wurden die Pauschalbeträge der Vollzeitpflege ab 1. Januar 2024 gemäß den Empfehlungen des Deutschen Vereins für 2024 erhöht.
Bericht

von:

Wie sich unser Vereinsleben änderte

Die erste Vorsitzende eines örtlichen Pflege- und Adoptivelternvereins schildert, wie sich die Arbeit ihres Vereinsvorstandes in den knapp zehn Jahren, die sie Vorsitzende ist, verändert hat. Der Artikel beschreibt deutlich, wie sich die Bedingungen eines Vereins ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen des Jugendamtes ändern.