Sie sind hier

30.05.2010
Hinweis

Unabhängige Beauftragte startet telefonische Anlaufstelle und Homepage für Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs

Ab dem 28.Mai können sich Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs unter der kostenfreien Rufnummer 0800-22 55 530 bei der telefonischen Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin a. D., melden oder per Email Kontakt aufnehmen.

Pressemitteilung der unabhängigen Beauftragten

„Wir wollen den Betroffenen die Möglichkeit geben, über das ihnen angetane Unrecht zu sprechen. Wir wollen erfahren, welche Anliegen sie haben, welche Hilfen sie benötigen und was sie der Politik und der Gesellschaft sagen wollen“, erklärte Dr. Bergmann auf der heutigen Pressekonferenz. Es können sich auch Angehörige melden oder Menschen, denen in ihrem beruflichen oder privaten Umfeld Fälle von Missbrauch auffallen. Bergmann betonte, Missbrauch finde nicht nur in Institutionen statt, sondern auch im familiären Umfeld.

Für die telefonischen Gespräche, die individuell und anonym geführt werden, steht ein Team aus Fachkräften aus dem Bereich der Sozialpädagogik, der Psychologie, der Medizin und der Beratung zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben langjährige Erfahrung in der Beratung bei sexuellem Kindesmissbrauch und spezielle Fortbildungen durchlaufen. Eine webbasierte Plattform erlaubt es, Informationen, die Anrufende mitteilen wollen und die wichtig für die Aufarbeitung der Thematik und die Prävention sind, zu dokumentieren.

Die Anrufenden bestimmen zu jedem Zeitpunkt selbst, worüber sie sprechen und ob und wie umfangreich das Erzählte festgehalten werden soll.

Die telefonische Anlaufstelle gibt keine therapeutische oder rechtliche Beratung, sie nimmt die Anliegen entgegen und zeigt, wenn gewünscht, Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung auf.

Die webbasierte Plattform für die Dokumentation der Anrufe und die diesbezügliche Aufarbeitung wird wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klink für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm, der bereits zahlreiche, auch webbasierte Projekte zur Thematik des sexuellen Kindesmissbrauchs, zum Kinderschutz und zum Beschwerdemanagement durchgeführt hat. Unterstützt wird die Tätigkeit seines Teams von einem wissenschaftlichen Beirat.

„Als Arzt, Wissenschaftler und Publizist habe ich mich seit Mitte der 80er Jahre dafür engagiert, dass Betroffene ernst genommen werden, Hilfe bekommen und dass das Thema in seiner Bedeutung für Institutionen Beachtung findet“, so Prof. Dr. Fegert auf der heutigen Pressekonferenz, „mit der wissenschaftlichen Begleitforschung möchte ich dazu beitragen, dass die Botschaften der Betroffenen mit Respekt dokumentiert und transparent in die Politik und Öffentlichkeit kommuniziert werden.“

Betroffene finden aber nicht nur Gehör, sondern können auch auf die öffentliche Diskussion zum Thema sexueller Missbrauch Einfluss nehmen, denn Fragen, die die Anlaufstelle häufig erreichen, werden auf der Homepage regelmäßig eingepflegt, thematisiert und aktualisiert werden.

Ungefähr 500 Berichte von Betroffenen sind bisher schriftlich eingegangen. Es haben mehr Männer als Frauen ihre Missbrauchserfahrungen mitgeteilt, die meisten von ihnen wurden in Einrichtungen missbraucht, vor allem in Einrichtungen der katholischen Kirche. Oft haben sie das Erlebte jahrzehntelang für sich behalten und vertrauen sich jetzt erstmals an. Die Betroffenen erwarten die Anerkennung des Unrechts, das ihnen angetan wurde, und die Benennung der Verantwortlichen. Auch die schriftlichen Berichte werden in die Aufarbeitung und die Empfehlungen für die Bundesregierung und den Runden Tisch einfließen.

Kontakt für Betroffene:

Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
11018 Berlin
Tel. 0800-22 55 530 (kostenfrei)

Sprechzeiten:
montags: 08.00 Uhr bis 14.00 Uhr
dienstags, mittwochs, freitags: 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr
sonntags: 14.00 Uhr bis 20.00 Uhr

Fax: (0)30 18 - 5 55 4 1554
E-Mail: kontakt@ubskm.bund.de
Internet: www.beauftragte-missbrauch.de hier

Das könnte Sie auch interessieren

Politik

Fehleinschätzungen und Versäumnissen im "Fall Staufen"

Anlässlich des Urteils im „Missbrauchsfall Staufen“ gegen die Mutter des betroffenen Kindes Berrin T. und ihres Lebensgefährten Christian L. fordert der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, eine umfassende Aufarbeitung der gerichtlichen und behördlichen Versäumnisse.
Hinweis

„100% ICH“ – Eine Methodentasche zur Prävention sexualisierter Gewalt

Das Deutsche Rote Kreuz, Landesverband Nordrhein hat in Kooperation mit der AJS die Methodentasche „100% ICH“ zur Prävention sexualisierter Gewalt erstellt. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von 74 Spielen und Übungen zur Stärkung der Kernkompetenzen von Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 16 Jahren.
Projekt

Sexualisierte Gewalt: Jungen und Mädchen mit Behinderung besser schützen

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat ein neues Modellprojekt in Berlin vorgestellt, durch welches bis Ende des Jahres 2018 bundesweit in 100 Einrichtungen modellhaft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortgebildet werden sollen.
Politik

von:

Schutz von Pflegekindern

NRW-Familienminister Stamp will sich für eine Gesetzesänderung stark machen, wonach künftig ein Jugendamt nur dann ein Kind in einer Pflegefamilie im Zuständigkeitsbereich eines anderen Jugendamtes unterbringen darf, wenn das andere Jugendamt zustimmt.
Nachricht

Die Familie ist der Hauptort sexualisierter Gewalt an Kindern

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat vor fünf Jahren ihre Arbeit begonnen. Mehr als 1.000 Betroffene aus dem Tatkontext Familie haben sich bisher bei ihr gemeldet. Die Kommission fordert, dass diesem größten Bereich von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit zukommt.
Nachricht

7. Europäischer Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexueller Gewalt

Der 18.11. steht seit sieben Jahren im Zeichen des Schutzes von jungen Menschen vor sexualisierter Gewalt. In diesem Jahr liegt der Fokus des vom Europarat initiierten Tages auf dem engsten sozialen Umfeld, dem „circle of trust“. Die Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW (PsG.nrw) macht in diesem Zusammenhang auch und gerade auf die Schlüsselrolle von Mitarbeitenden aller Organisationen aufmerksam, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Politik

Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt ist oberstes Gebot

Das Bundeskabinett hat am 27. September den von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vorgelegten Aktionsplan 2011 zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung beschlossen
Alltag mit Kindern

Sexualisiertes Verhalten

Sexualisiertes Verhalten eines Kindes drückt mit größter Wahrscheinlichkeit aus, dass das Kind sexuellen Missbrauch erlitten hat. Sexueller Missbrauch bedeutet, dass ein Erwachsener oder Jugendlicher seine Position der Macht, seine geistige und körperliche Überlegenheit und das Vertrauen und die Unwissenheit des Kindes dazu benutzt hat, seine eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen.
Tiefergehende Information

Konfrontation mit sexueller Gewalt und Übergriffen

Das Deutsche Jugendinstittut ( DJI) beschäftigt sich in seinem neuesten Online Thema (2011/07) mit "Schulen, Internate, Heime – konfrontiert mit sexueller Gewalt und sexuellen Übergriffen"
Tiefergehende Information

Leistungen aus dem Fond sexueller Missbrauch im familiären Bereich

Leistungen aus dem Fond sexueller Missbrauch im familiären Bereich können natürlich auch für Pflegekinder, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, gewährt werden.