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Pflegeeltern Können nicht allein die Musik bestimmen – Sie gehören zu einem Team

Zum Team gehören neben Ihnen auch die leiblichen Eltern, der Vormund, der Pflegekinderdienst, der Allgemeine Sozialdienst, Lehrer, Psychologen, Erzieher. Die Bedeutung des Vormundes ist durch die letzte gesetzliche Änderung zum Vormundschaftsrecht aufgewertet worden.

Pflegeeltern können nicht allein die Musik bestimmen. Sie sind Mitglied eines Teams um das Kind herum.
Zum Team gehören neben Ihnen auch die leiblichen Eltern, der Vormund, der Pflegekinderdienst, der Allgemeine Sozialdienst, Lehrer, Psychologen, Erzieher. Die Bedeutung des Vormundes ist durch die letzte gesetzliche Änderung zum Vormundschaftsrecht aufgewertet worden. Er soll nun monatlich einmal sein Mündel in dessen Umgebung aufsuchen und eine eigene Beziehung zu ihm herstellen. Er soll das Interesse seines Mündels besser erkennen und die Erziehung verantworten.

Die Umsetzung dieser Aufgabe des Vormundes in die Praxis ist noch in der Entwicklung. Pflegekinderdienst und Vormünder müssen sich noch um mehr Klarheit und Deutlichkeit ihrer jeweiligen Rollen für das Kind und die Pflegeeltern bemühen, damit die Neuerung als Unterstützung und nicht als Belastung empfunden wird

Alle in eine Richtung

Pflegekind und Pflegefamilie werden natürlich dann sehr entlastet, wenn alle Beteiligten um das Kind herum in EINE Richtung schwimmen würden. Wenn es also gemeinsam entwickelte Entscheidungen gibt und sich alle nach diesen Entscheidungen auch richten.

Pflegeeltern sein macht auch Freude

Ein Lichtstreifen am Horizont nach längerer Zeit der Suche und Stagnation gibt Mut und Zuversicht.
Pflegeeltern wachsen an ihrem Pflegekind. Sie lernen Dinge und entwickeln sich zu beschützenden, oft fordernden und kämpferischen Eltern.

Ich begleite seit sehr vielen Jahren Pflegeelterngruppen und habe daher viele Gefühle und Aussagen von Pflegeeltern mitbekommen. Lassen sie mich daher die ‚Freude am Pflegeeltern sein‘ durch Zitate von Pflegeeltern belegen:

  • "Es ist so schön zu erleben, wie das Kind sich entwickelt".
  • "Manchmal, wenn ich in den alten Aufzeichnungen lese, die wir gemacht haben in all der Zeit, die das Kind nun bei uns ist, dann wird mir klar, wie weit wir zusammen schon gekommen sind und wie unsere Arbeit doch so erfolgreich war".
  • "Es gibt Momente, da läuft einem das Herz geradezu über. Zum Beispiel gestern waren wir eingeladen, und er hat sich doch tatsächlich nur EIN Stück Kuchen auf seinen Teller getan. Ohne dass wir was sagen mussten, einfach so. Es war unglaublich.
  • "Wenn die Kinder nach einer Weile plötzlich mit einem sprechen können, wenn sie einem erzählen können, was ihnen so passiert ist, wenn sie dieses Vertrauen aufbringen, das bewegt mich dann ungemein. Dann weiß ich, wofür wir das alles machen".
  • "Einem Kind helfen zu können, das so viel schon mitmachen musste, das ist auch Geschenk für einen selbst".
  • "Man muss sich entwickeln, wenn man ein Pflegekind aufgenommen hat. Hier kann man nicht kneifen, sondern muss dem Kind zeigen, dass man zu ihm steht, dass es sich auf uns verlassen kann. Da wächst man, wird mutiger und fordernder".
  • "Ich habe durch unsere Pflegekinder so viel gelernt. Ich habe gelernt gelassener zu werden, unwichtiges nicht mehr wichtig zu nehmen, meine Meinung zu sagen und mich von anderen nicht einschüchtern lassen. Ich war gut für unsere Pflegekinder, aber sie waren auch richtig gut für mich".
  • Abschließend kommt noch ein Pflegevater zu Wort, dessen Aussage exemplarisch für die Wertvorstellungen der interviewten Pflegeeltern der Uni Siegen stehen kann: "Und da sieht man aber erst mal, was wirklich wertvoll ist. Wie wertvoll die Kinder sind. Und das verstehen die Leute nicht. Das kann man auch nicht erklären. Und wir oder ich jedenfalls haben aufgehört, den Leuten zu erklären, warum ich unseren Pflegesohn richtig für wertvoll halte. Weil das ist er einfach. Und wer das so nicht versteht, bei dem fehlt irgendwas. Also bloß weil er nicht rechnen kann und nicht spricht und immer noch nicht sauber ist, ist er trotzdem wertvoll. Und das müssen die Leute einfach kapieren. Und da ist die Gesellschaft so was von weit weg davon. Wenn man sich da die Fernsehsendungen anguckt, um was es da geht, um Schönheit und sonst was. Das ist so was von Pillepalle."

Danke dafür, dass Sie Pflegekinder aufgenommen haben und sich mit Herz, Verstand und Ihrem ganzen Wesen und Ihrer ganzen Privatheit diesen Kindern zur Verfügung stellen.

Letzte Aktualisierung am: 
03.10.2012

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