Sie sind hier

11.05.2023
Projekt

Was erfahren und erleben junge Menschen nach Verlassen der Pflegefamilie als hilfreich oder hinderlich?

Die Care-Leaver-Studie (CLS-Studie) will von jungen Menschen selbst wissen, welche Erfahrungen sie beim Verlassen der Pflegefamilie gemacht haben. Dazu werden die Teilnehmer der Studie im Laufe von sieben Jahren in jedem Jahr zu ihren Erfahrungen mit dem Übergang ins Erwachsenenleben befragt. Das Ziel ist, insgesamt 1000 Care Leaver*innen in die CLS-Studie aufzunehmen, die zum Studienbeginn zwischen 16 und 19 Jahre alt sein und noch in den Pflegefamilien leben sollten. Dieses Ziel ist noch nicht erreicht, wir sind erst auf dem Weg. Unsere Bitte an alle Beteiligten und Interessierten: Machen Sie die jungen Menschen auf die Studie aufmerksam, denn sie können durch ihre Teilnahme mithelfen, die schwierige Situation der Verselbständigung zu verbessern.

Unterstützen Sie die CLS-Studie! Junge Menschen aus Pflegefamilien bekommen bundesweite Aufmerksamkeit!

Zum Hintergrund: Junge Menschen aus Pflegefamilien erhalten eine Stimme 

Pflegefamilien geben Antwort auf eine zentrale Frage unserer Gesellschaft: Sie helfen, wenn Kinder von ihren Eltern zeitweise oder auf Dauer nicht hinreichend betreut werden können. Der 18. Geburtstag ist häufig ein Wendepunkt für junge Menschen, die in Pflegefamilien leben. Laut Kinder- und Jugendhilfegesetz steht ein Übergang in unterschiedliche Formen des weiteren Lebens an. Pflegeeltern gestalten diesen Übergang maßgeblich mit und organisieren ihn meist flexibel und an den individuellen Bedürfnissen des Pflegekindes orientiert.

Wir wissen wenig darüber, wie junge Menschen, die in Pflegefamilien leben oder gelebt haben (hier Care Leaver*innen genannt), diesen Übergang selbst sehen: Was erfahren und erleben sie nach Verlassen der Pflegefamilie als hilfreich oder hinderlich? Das will erstmalig in Deutschland eine repräsentative Studie von jungen Menschen selbst wissen und befragt diese sieben Mal zu ihren Erfahrungen im Übergang zum Erwachsenenleben (CLS-Studie).

Zur CLS (Care Leaver Statistics) - Studie: größte repräsentative Studie in Deutschland

Die erste bundesweite Langzeitstudie wird die Übergänge von jungen Menschen aus Pflegefamilien in die Verselbstständigung bzw. in andere Unterstützungssysteme untersuchen und begleiten. Der Fokus liegt auf den Teilhabechancen am gesellschaftlichen Leben (Wohnen, (Aus)Bildung, Gesundheit, Freizeit, soziale Beziehungen, Arbeit, Lebenszufriedenheit, Inanspruchnahme von sozialstaatlichen Leistungen). Das Ziel ist, insgesamt 1000 Care Leaver*innen in die CLS-Studie aufzunehmen. Diese sollen zum Studienbeginn zwischen 16 und 19 Jahre alt sein und noch in den Pflegefamilien leben. Über sieben Jahre werden die Teilnehmenden an der Untersuchung jährlich zu ihrer jeweils aktuellen Situation befragt. Es werden junge Menschen aus Pflegefamilien im gesamten Bundesgebiet einbezogen.

Zur Finanzierung: Es besteht ein politisches Interesse an den Ergebnissen

Die Abgeordneten des deutschen Bundestages haben die Finanzierung der Studie beschlossen und das BMFSFJ beauftragt die Studie zu fördern. Dies zeigt, dass es ein großes Interesse daran gibt, mehr darüber zu erfahren, wie es jungen Menschen geht, die zeitweilig in Pflegefamilien gelebt haben.

Zum Ertrag: Ergebnisse werden politische Entscheidungen zu Gunsten der Pflegehilfe beeinflussen

Der Übergang aus der Pflegefamilie verlangt von jungen Menschen ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement. Pflegeeltern, Pflegekinderdienste, Jugendämter haben diesen Übergang – auch mit Blick auf möglicherweise in Zukunft erforderliche Unterstützung (z.B. durch Arbeitsagenturen, Eingliederungshilfe) – gut vorzubereiten und begleiten ihn.

Mit der regelmäßigen Befragung der Care Leaver*innen soll auch ermittelt werden, wie die Übergangsprozesse zukünftig (noch) besser gestaltet werden können. Alle Informationen kommen von jungen Menschen im Übergang selbst und spiegeln damit deren Erfahrungen und ihr Erleben im Übergangsprozess wider. Die CLS-Studie stellt somit insbesondere Pflegefamilien, Trägern der Pflegekinderhilfe, Jugendämtern und der Politik Informationen zur Verfügung, um Übergangsprozesse und soziale Sicherungssysteme möglichst adäquat organisieren und gestalten zu können.

Zur Unterstützung: Bitte tragen Sie zum Erfolg der Studie bei

Wir unterstützen mit vielen anderen engagierten Organisationen in der Pflegekinderhilfe diese Untersuchung vollumfänglich und halten sie – gerade auch mit Blick auf unsere eigene Arbeit – für äußerst sinnvoll und hilfreich. Wir werben daher hiermit nachdrücklich für eine Teilnahme an der Studie und bitten darum, diese politische und gesellschaftliche Chance gemeinsam zu nutzen, um die Anliegen der Pflegekinder, der Pflegefamilien und der Pflegekinderdienste öffentlicher zu machen! Beteiligung von jungen Menschen ist ein wesentliches Element gelingender Pflegekinderhilfe! 

Die anhängende PDF-Datei zur CLS-Studie können Sie herunterladen und für Ihre Arbeit nutzen. Ebenso können Sie diese vervielfältigen und Pflegefamilien, jungen Menschen, Verbänden und Zusammenschlüssen zur Verfügung stellen. Dies ist eine Chance für die Pflegekinder, die auf dem Weg in die Volljährigkeit sind oder schon die Pflegefamilie verlassen haben. Hier sollen sie beteiligt werden, hier soll ihre Meinung eine entscheidende Rolle spielen. Das ist doch wirklich großer Unterstützung wert! 

Das könnte Sie auch interessieren

Hinweis

Ungleiche Startbedingungen für Jugendliche in Deutschland

Kampagne soll Careleaver sichtbarer machen und beim Übergang aus der stationären Jugendhilfe stärken. Careleaver, junge Menschen mit stationärer Jugendhilfeerfahrung, werden häufig nicht genug wahrgenommen und wertgeschätzt. Brückensteine Careleaver will das mit einer Social Media-Kampagne ändern.
Projekt

Teilhabe junger Menschen im Übergang zwischen stationärer Jugendhilfe und Erwachsenenleben

Die CLS-Studie ist eine Langzeitstudie über die Lebensverläufe von jungen Menschen, die zeitweilig in Wohngruppen und Pflegefamilien gelebt haben. Sie läuft über mehrere Jahre und beginnt, wenn die Jugendlichen noch in den Wohngruppen oder Pflegefamilien leben. Mit der CLS-Studie soll untersucht werden, vor welchen Herausforderungen Jugendliche in diesen unterschiedlichen Bereichen stehen, wenn sie aus Wohngruppen oder Pflegefamilien ausziehen. Die Studie wird über mehrere Jahre durchgeführt durch einen Projektverbund der Stiftung Universität Hildesheim, DJI, IGFH und GISS.
Tiefergehende Information

Betreuung übernehmen für ein Mündel, das volljährig wird

Bekomme ich automatisch die Betreuung für mein Mündel, wenn es jetzt bald volljährig wird, aber noch nicht selbstständig leben kann und viel Schwierigkeiten in finanziellen Dingen hat?
Projekt

Soziale Teilhabe im Lebensverlauf junger Erwachsener

CLS ist die erste Langzeitstudie in Deutschland zum sogenannten ›Leaving Care‹ junger Erwachsener – dem Verlassen einer stationären Kinder- und Jugendhilfe. Die Langzeitstudie untersucht über mehrere Jahre hinweg den Übergang junger Menschen zwischen dem Leben in der Pflegefamilie (§ 33 SGB VIII) oder der Wohngruppe sowie sonstigen betreuten Wohnformen (§ 34 SGB VIII) und dem Erwachsenenleben. In der CLS-Studie geht es um Fragen wie zum Beispiel: Wie leben, lernen und arbeiten junge Menschen im Übergang? Wie gestalten sie ihren Alltag? Was sind ihre Ziele und Wünsche?
Projekt

Jugendhilfe - und dann?

Careleaver - junge Menschen, die in Heimen oder Pflegefamilien gelebt haben - haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das einen Erfahrungsaustausch und Unterstützung auf dem Weg in ein selbstständiges Leben nach der Jugendhilfe bieten will.
Projekt

Leaving Care in der Kommune

Das von IGfH und Universität Hildesheim gemeinsam durchgeführte Projekt „Fachstelle: Leaving Care in der Kommune“ reagiert auf den wachsenden Bedarf in Kommunen, in Kooperation von öffentlichen und freien Trägern und Care Leaver*innen - Initiativen, eine Infrastruktur für Care Leaver*innen aufzubauen. Das Projekt hat eine Dauer von zwei Jahren und wird im September 2022 beendet. Inzwischen hat sich jedoch schon viel Lesenswertes angesammelt.
Hinweis

Übergang in die Volljährigkeit – Änderungen durch das KJSG

Im Auftrag der Fachstelle Leaving Care an der Universität Hildesheim hat das DIJuF die Kurzexpertise Careleaver „Übergang in die Volljährigkeit – Änderungen durch das KJSG“ erstellt, welche nun veröffentlicht wurde. Die Expertise setzt sich mit den Auswirkungen durch die Neuregelungen des KJSG auf die jungen Menschen im Übergang auseinander.
Hinweis

Weichenstellung für die Zukunft

Careleaver e.V. hat für die Beteiligten der Hilfeplanung eine Hilfestellung entwickelt, welche den besonderen Schwerpunkt auf die letzten Hilfeplangespräche vor der Volljährigkeit legt.
Hinweis

Rechte von Care-Leavern / Jungen Volljährigen

Junge Menschen, die in stationären Wohngruppen, Pflegefamilien, Erziehungsstellen oder anderen Betreuungsformen der Kinder- und Jugendhilfe aufgewachsen sind, erleben den Übergang ins Erwachsenenleben mit vielen Fragen und Herausforderungen.Die IGFH und die Stiftung Uni Hildesheim haben für diese jungen Erwachsenen einen umfangreichen Flyer entwickelt und herausgegeben, mit dem auf die Rechte der Care-Leaver hingewiesen wird, z.B. auf den Anspruch auf Beratung und Betreuung oder auch auf finanzielle Unterstützung.
Hinweis

Gesetzliche Altersgrenzen im jungen Erwachsenenalter

Im Auftrag des Deutschen Jugendinstituts e.V. (DJI) hat das Forschungsinstitut SOCLES eine Expertise erstellt, in der es um die juristischen Altersgrenzen geht, wenn ein junger Mensch volljährig geworden ist. Volljährigkeit mit 18 Jahren bedeutet nicht, in allen juristischen Bereichen schon als Erwachsener angesehen und behandelt zu werden. Das Recht sieht an verschiedenen Stellen Sonderregelungen für zwar volljährige, aber von der Rechtsordnung und/oder Gesellschaft noch als ‚jung‘ eingestufte Menschen vor.