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29.03.2016
Projekt

Gastfamilien, Vormundschaften und Patenschaften für junge Flüchtlinge

Projekt zur qualifizierten professionellen Begleitung von Gastfamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Eine qualifizierte professionelle Begleitung der Gastfamilien wird von allen Expert_innen als entscheidend für ein Gelingen der Hilfeform ‚UMF in Gastfamilien’ hervorgehoben. Wie diese konkret ausgestaltet werden kann, darüber soll ein zweijähriges Projekt des Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V. Aufschluss bringen.

Der Vorlauf

Von September bis Dezember 2015 führte das Kompetenzzentrum Pflegekinder e.V. im Auftrag und in enger Abstimmung mit dem BMFSFJ ein Pilotprojekt zum Thema Gastfamilien für UMF durch. Ziel war zunächst, sich einen Überblick über bundesweite Trends und Entwicklungen zu verschaffen und daran mitzuwirken, die Arbeit mit Gastfamilien für jugendliche Flüchtlinge in den Pflegekinderdiensten zu verankern und zu qualifizieren.

Das Projekt umfasste folgende Bausteine:

  • Bundesweites „Scannen“ der bereits vorhandenen konzeptionellen Ansätze, entwickelten und eingesetzten Materialien sowie praktischen Erfahrungen.
  • Zusammenführung von richtungsweisenden Ansätzen und Aufbereitung der Grundlagen zur Durchführung einer Expertenrunde.
  • Entwicklung eines Fortbildungsmoduls für die Fachkräfte der Pflegekinderhilfe.
  • Entwicklung von Eckpfeilern eines Curriculums und erste Empfehlungen zur Akquise, Schulung und Begleitung von Gastfamilien.
  • Entwicklung einer ersten Orientierung für die Praxis. In dieser kleinen Handreichung sind praxistaugliche Informationen und konkrete Links, die die bundesweite Recherche ergeben haben, um Empfehlungen aus der Expertenrunde ergänzt.

Die bundesweite Bestandsaufnahme hat unter anderem nahegelegt, die Themen „Gastfamilien“ mit den Themen „ehrenamtliche Vormundschaften“ und „Patenschaften“ zu verknüpfen. Also weitere Angebote, die einerseits das Spektrum der Hilfen und Unterstützung für die in ihren Bedarfen deutlich in homogene Gruppe UMF erweitert und die andererseits eine (ebenso inhomogene) Gruppe von Menschen anspricht, deren kleinster gemeinsamer Nenner der ist, dass sie sich für zivilgesellschaftliches Engagement aktivieren lässt. Die Ausweitung des Projektes um die genannten Bausteine erleichtert möglicherweise die Werbung und Akquise von Menschen, die sich für das Thema UMF interessieren, aber über unterschiedliche zeitliche und persönliche Ressourcen verfügen. Gleichzeit ist es aber notwendig, die drei Bereiche inhaltlich sorgfältig zu beschreiben, sie voneinander abzugrenzen und die Rollen und Aufgaben, die damit verbunden sind, klar zu definieren. Damit soll einer Absenkung von Standards vorgebeugt und bereits im Ansatz entgegengewirkt werden.

In dem genehmigten Folgeprojekt, das bis Ende 2017 geplant ist und in Kooperation mit der Diakonie Deutschland durchgeführt wird, sollen an mehreren Standorten – ausgewählt nach Kriterien wie: Stadtstaat/ Flächenstaat; Ost / West; ländlich / städtisch - Modellregionen identifiziert werden, in denen ein Rahmenkonzept an die regionalen Gegebenheiten der Modellstandorte on-the-job so angepasst wird, dass es die kommunalen Besonderheiten berücksichtigt, im Kern aber erkennbar und standardisiert bleibt. Dabei soll sich das Rahmenkonzept explizit auch auf die Bereiche Patenschaften und ehrenamtliche Vormunde beziehen, diese Bereiche vernetzen und miteinander verknüpfen, sie aber auch deutlich inhaltlich profilieren und voneinander abgrenzen.

Die Implementierung vor Ort soll laufend ausgewerte t und an den Prozess angepasst werden, so dass die gewonnenen Erkenntnisse wiederum auf andere Kommunen bzw. Städte übertragbar werden. Zu Beginn findet eine gemeinsame Schulung / Qualifizierung aller teilnehmenden Fachkräfte der Modellregionen statt. Sie stellt das gemeinsame Fundament dar und dient neben dem Austausch unter den Teilnehmer_innen der Etablierung gemeinsamer Standards.

Das Projekt

Das Folgeprojekt berücksichtigt erste Erfahrungen der Pilotphase und integriert sie in den
Katalog der Projektbausteine, die an allen Modellstandorten wie folgt geplant sind:

  • Durchführung von Regionalkonferenzen / Aufbau von Vernetzungsstrukturen In den identifizierten Modellregionen sollen Region alkonferenzen eingerichtet werden, die die Information, die Vernetzung und Zusammenarbeit vor Ort gewährleisten.
  • Organisationsentwicklung vor Ort In der ca. eineinhalbjährigen Durchführungsphase wird die Umsetzung des Konzeptes in seinen drei Bausteinen mit evtl. auftretenden Hindernissen und Herausforderungen der Praxis vor Ort intensiv begleitet und reflektiert.

Es sollen Qualitätsstandards entwickelt und umgesetzt werden. Ziel ist, das Modell „Gastfamilien für UMF“ mit seinen Schnittstellen zu Patenschaften und Vormundschaften zu beschreiben, zu funktionablen Facetten der Angebotspalette der involvierten kommunalen bzw. Freien Träger zu
festigen und über die Modellphase hinaus zu verstetigen.

Ende des Jahres 2017 sollte je eine regionale Projektreview durchgeführt, der Prozess und die bisherigen Ergebnisse präsentiert und evtl. Anpassungen vorgestellt werden. Den Projektabschluss bildet eine kurz zusammengefasste Empfehlung, die ihrerseits Basis für die Weiterarbeit und Weiterentwicklung und den Transfer auf andere Kommunen ist.

  • Öffentlichkeitsarbeit im Projekt - Im Rahmen der Vernetzung und Kooperation und durch Anregung der beteiligten Träger sollen alle Möglichkeiten genutzt werden, Öffentlichkeit und Interesse für das Projekt und sein Anliegen herzustellen.
  • Schulungen der Familien - Das während der Pilotphase entwickelte Schulungscurriculum für Gastfamilien wird um die Bereiche ehrenamtliche Vormundschaften und Patenschaften erweitert. Das Curriculum wird jeweils regional erprobt, inhaltlich angepasst und fortgeschrieben.
  • Fachtag - Nach dem ersten Jahr und zum Ende der Modellzeit ist jeweils ein Fachtag geplant, der die Fachöffentlichkeit informiert und zur Reflexion und zur Weiterarbeit mit den Erfahrungen des Modells anregen soll.
  • Abschluss - Teil des Projektes ist die Anleitung zu einer internen Evaluation an den Modellstandorten. Damit soll der Prozess der Implementierung ausgewertet und die Ergebnisse nachhaltig gesichert werden.

Das erwartete Ergebnis

Die Erfahrungen, die während der Projektlaufzeit gemachten werden, sollen Aufschlüsse und Orientierung in Bezug auf

  • die konkrete auswählende und beratende Arbeit mit Gast- und Patenfamilien für die Bedarfslagen jugendlicher Flüchtlinge (z.B. Eignungsfeststellung; Vermittlungsverfahren; Methoden der Beratung; Biographiearbeit, Gruppenarbeit mit den Jugendlichen; Unterstützung und Zusammenarbeit in asylrechtlichen Fragen; traumatherapeutische und interkulturelle Grundkenntnisse, Schulungscurricula, etc.)
  • die Methodenentwicklung für übergreifende Aufgaben (z.B. Werbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Qualitätsentwicklung und Organisationsentwicklung ‚vor Ort‘; Kooperation mit politischen Gremien und migrantischen Communities)
  • die Förderung und Herausbildung selbstreflexiven Handelns und interkultureller Sensibilität bei den Fachkräften
  • die Erarbeitung und Umsetzung von Standards eines begründbaren Curriculums: Gastfamilien, Vormundschaften und Patenschaften: Angebote für UMF.

Mit dem beschriebenen Maßnahmepaket sollte es im Projektzeitraum in den Modellregionen gelingen, die Anzahl an Vermittlungen von UMF in Gastfamilien und das Interesse an ehrenamtliche Vormundschaften und Patenschaften nicht nur zu qualifizieren sondern darüber hinaus leicht zu erhöhen. Perspektivisch kann man annehmen, dass Angebote in und durch Einzelpersonen oder Familien für ca. 10 – 15 % der UMF in Frage kommen könnten.

Eine erste Zwischenbilanz wird Ende 2016 / Anfang 2017 anlässlich eines Fachtages gezogen. Zum Ende der Projektlaufzeit werden die aufbereiteten Ergebnisse bundesweit zugänglich gemacht.

Alexandra Szylowicki
Kompetenzentrum Pflegekinder e.V.
www.kompetenzzentrum-pflegekinder.de

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