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01.09.2012
Projekt

IPSY - Evaluation eines suchtpräventiven Lebenskompetenzprogramms

Im Jugendalter steigt die Prävalenz von Problemverhaltensweisen wie der Gebrauch legaler Substanzen (z.B. Alkohol, Zigaretten) an. Forschungsergebnisse zeigen, dass Prävention durch Life-Skills-Programme möglich ist. Diese weltweit anerkannten und angewandten Programme kombinieren verschiedene Präventionsstrategien und basieren auf der Vermittlung allgemeiner und substanzspezifischer Lebenskompetenzen.

Im Jugendalter steigt die Prävalenz von Problemverhaltensweisen wie der Gebrauch legaler Substanzen (z.B. Alkohol, Zigaretten) an. Forschungsergebnisse zeigen, dass Prävention durch Life-Skills-Programme möglich ist. Diese weltweit anerkannten und angewandten Programme kombinieren verschiedene Präventionsstrategien und basieren auf der Vermittlung allgemeiner und substanzspezifischer Lebenskompetenzen (z.B. nein sagen gegenüber einem Angebot von Substanzen durch Freunde) sowie der Wissensvermittlung durch interaktive Techniken und Übungen im Schulunterricht (z.B. Rollenspiele). Lebenskompetenzen sollen es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, mit den Aufgaben und Herausforderungen ihres täglichen Lebens kompetent umzugehen. Verbunden mit substanzspezifischen Komponenten wirken Lebenskompetenzenprogramme suchtpräventiv (Einstiegsalter hinauszögern und jugendtypischen Anstieg im Konsum verringern).

Das Lebenskompetenzprogramm IPSY (Information + Psychosoziale Kompetenz = Schutz) wurde für die 5. Klasse entwickelt. Beim Pilottest am Gymnasium Friedericianum Rudolstadt wurden 15 IPSY-Unterrichtseinheiten (10x90min, 5x45min) durch Lehrer oder ältere Peers vermittelt. Die Evaluation bestätigte die Effizienz von IPSY hinsichtlich der Beeinflussung von Lebenskompetenzen, Wissen sowie des Konsums von Alkohol und Zigaretten, insbesondere dann, wenn es durch Lehrer vermittelt wurde verglichen mit Schülern, die nicht am Programm teilgenommen haben oder bei denen IPSY durch ältere Schüler vermittelt wurde.

Zusätzlich zum Basisprogramm für Klasse 5 existiert jeweils ein Aufbautraining für die Klassenstufen 6 und 7, um die in der fünften Klasse erlernten Kompetenzen zu festigen und zu erweitern.

Das auf der Pilotstudie aufbauende groß angelegte Projekt hat zum Ziel, das Programm in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Kultusministerium in 20 Regelschulen und 20 Gymnasien Thüringens zu implementieren. Begleitend wird eine Evaluationsstudie bei 23 Schulen differentielle Interventionseffekte analysieren (z.B. untersuchen, ob Jugendliche mit vs. ohne frühen Verhaltensauffälligkeiten in unterschiedlichem Ausmaß von IPSY profitieren). Die Ergebnisse der großen Evaluationsstudie zeigen, dass das IPSY-Basisprogramm positive Effekte auf die kurz- und langfristige Entwicklung der beteiligten Schüler hat. Demnach konnte bei IPSY-Schülern der alterstypische Konsumanstieg hinsichtlich des Rauchens und Alkoholtrinkens eingedämmt sowie die Distanz zu zukünftigem Konsum erhöht werden. Weiterhin konnten durch IPSY Widerstandsfähigkeiten gegenüber Peerdruck, Selbstwert und die Schulbindung gefördert bzw. positiv beeinflusst werden. Die positiven Effekte auf Substanzkonsum werden durch die Förderung der Bindung an die Schule und von Kompetenzen zum Widerstehen von Peerdruck vermittelt. Das IPSY-Programm hat sowohl in Gymnasien als auch in Regelschulen gleichermaßen positive Effekte erbracht und wird sowohl von den implementierenden Lehrern als auch von den Schülern sehr gut akzeptiert. Die positiven Effekte sind bei Jungen wie Mädchen zu beobachten. Die Evaluationsstudie ist mit einer Studie zur Erforschung der Entwicklung von Risikoverhalten bei Jugendlichen gekoppelt.

Auch im internationalen Kontext hat sich das IPSY-Programm bereits bewährt. Die Erprobung und Evaluation im italienischen Raum führte zu fast identischen Ergebnissen wie in der deutschen Studie. Darüber hinaus wurde das Programm erfolgreich in Österreich getestet.

Derzeit wird an der Entwicklung und Evaluation eines neuen Programm-Moduls in Klasse 8 gearbeitet und die Publikation des Manuals vorbereitet (erscheint 2012 im Hogrefe-Verlag).

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