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26.04.2024
Projekt

Junge Menschen mit Behinderung und herausforderndem Verhalten brauchen bedarfsgerechte Strukturen

Die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe beschäftigen sich schon länger mit der Frage von bedarfsgerechten Wohnangeboten von jungen Menschen mit Behinderung. Am 19. April 2024 traf sich erstmalig ein Arbeitskreis zum Thema: „Herausforderndes Verhalten und Gewaltschutz in Wohneinrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung". In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass behinderte Kinder und Jugendliche mit herausforderndem Verhalten, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie oder in einer Pflegefamilie leben können, für ihre weitere Entwicklung bedarfsgerechte Betreuungs- und Unterstützungsangebote benötigen, die schwer zu finden sind.

Behinderte Kinder und Jugendliche mit herausforderndem Verhalten, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie oder in einer Pflegefamilie leben können, benötigen für ihre weitere Entwicklung bedarfsgerechte Betreuungs- und Unterstützungsangebote. Die Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) stellen sich dieser Aufgabe und haben bereits im Dezember 2021 eine wissenschaftliche „Bestands- und Bedarfserhebung“ zu den Wohnangeboten für junge Menschen mit einer Behinderung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse aus dieser Erhebung sind den zuständigen Gremien beider Verbände Ende letzten Jahres vorgelegt worden. Eine Empfehlung in diesem Zusammenhang ist die Einrichtung einer beratenden Arbeitsgruppe zum Thema „herausforderndes Verhalten und Gewaltschutz in Wohneinrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung“. Die AG hat mit der konstituierenden Sitzung am Freitag (19.4.) in Münster ihre Arbeit aufgenommen.

Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung und besonders herausforderndem Verhalten haben oft bereits mehrere Betreuungs- und Hilfsangebote durchlaufen. Viele von ihnen mussten mehrfach die Einrichtung wechseln – meist aufgrund von Zwischenfällen mit aggressivem und fremd- oder selbstgefährdendem Verhalten. „Es ist zunehmend schwierig, für diese jungen Menschen bedarfsgerechte Unterbringungs- und Betreuungsmöglichkeiten zu finden. Die häufigen Einrichtungswechsel sind für alle Beteiligten sehr belastend“, sagt LWL-Jugenddezernentin Birgit Westers. „Nicht nur die betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden unter dieser Situation. Auch Fachkräfte in Einrichtungen sehen sich häufig überfordert.“ Dirk Lewandrowski, LVR-Dezernent Soziales, führt aus: „Als Träger der Eingliederungshilfe haben wir einen Sicherstellungsauftrag für die Leistungen für Menschen mit Behinderungen. Diesem kommen wir mit der Einrichtung der Arbeitsgruppe nach“.

Die Landschaftsverbände wollen die relevanten Rahmenbedingungen und Lösungen für die Schaffung bedarfsgerechter Angebote analysieren. Dazu soll die AG Empfehlungen entwickeln und dabei auch in den Blick nehmen, wie Gewaltprävention verbessert werden kann. Die AG will ganz unterschiedliche Bereiche betrachten: von der baulichen Gestaltung von Wohneinrichtungen und Anforderungen an die fachliche Arbeit bis hin zu regionalen Kooperationsstrukturen.

„Ein besonderes Anliegen der Landschaftsverbände ist es, dass wir in der Arbeitsgruppe einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und alle relevanten Bereiche einschließen. Deshalb haben wir Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachgebieten eingeladen, Teil der Arbeitsgemeinschaft zu werden. Das Interesse mitzuwirken war groß und die AG ist nun breit aufgestellt“ erklärt der zuständige LWL-Referatsleiter Friederich Stratmann. Der zuständige LVR-Fachbereichsleiter Dr. Dieter Schartmann ergänzt: „Für die komplexen Herausforderungen, mit denen unsere LVR-Fallmanagerinnen und Fallmanager, aber auch die Einrichtungen tagtäglich konfrontiert werden, brauchen wir fachlich qualifizierte und übergreifende Antworten.“ In der AG vertreten sind die Bereiche Wissenschaft, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Justiz, Kommunale Spitzenverbände, Freie Wohlfahrtspflege und Selbsthilfe. Auch das Schul-, Sozial-, sowie Kinder- und Jugendministerium in NRW nehmen an der AG teil.

Pressemitteilung der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe vom 22. April 2024

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