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21.02.2013
Projekt

Was kommt nach der stationären Erziehungshilfe? Kaum Unterstützung beim Übergang ins Erwachsenenleben

In Deutschland wissen wir nur wenig darüber, was im späteren Leben aus den Kindern und Jugendlichen wird, die in öffentlicher Verantwortung aufgewachsen sind. In anderen Ländern ist das anders. Die Uni Hildesheim und die IGFH beschäftigen sich im Rahmen des Projektes "Care Leavers" international mit diesem Thema.

Eine hinreichende Infrastruktur, die sie beim Übergang ins Erwachsenenleben auch nach Beendigung der Hilfe unterstützt, fehlt. Darüber beraten Fachleute am 25. und 26. Februar in Frankfurt auf Einladung der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen und des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik. Die Ergebnisse werden für die Kinder- und Jugendhilfe und Jugendpolitik in Deutschland aufbereitet.

In Deutschland wachsen gegenwärtig ca. 100.000 Kinder und Jugendliche auf, die durch stationäre Erziehungshilfen oder Pflegefamilien betreut werden. Im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe wurden ausdifferenzierte Angebotsformen von erzieherischen Hilfen entwickelt, die keineswegs mehr dem traditionellen Bild der Heimerziehung entsprechen. Dieses Bild der Erziehungsanstalten ist zwar, auch im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen von Heimkindern, noch weit verbreitet, trifft aber kaum mehr die Wirklichkeit der Erziehungshilfen.

Heute geben die Kommunen und Bundesländer ungefähr 4 Milliarden Euro für diese Hilfen aus. Im Gegensatz zu dieser gut ausgebildeten und sehr dynamischen Infrastruktur innerhalb der Erziehungshilfen verwundert es allerdings, dass in Deutschland nur ein geringes Interesse an der späteren Lebenssituation dieser Kinder und Jugendlichen besteht. So existieren kaum neuere Untersuchungen, die Auskunft darüber geben können, wie junge Menschen den Übergang ins Erwachsenenalter aus stationären Erziehungshilfen heraus meistern.

Doch es fehlt nicht nur an Wissen. Gleichzeitig wird bei der Gewährung von Erziehungshilfen nur wenig berücksichtigt, dass junge Erwachsene heute durchschnittlich bis weit in das dritten Lebensjahrzehnt hinein Unterstützung durch ihre Familien oder andere Netzwerke bekommen – während ihrer Berufsausbildung, im Studium, bei der Familiengründung oder als junge Eltern. Diese Hilfen stehen den jungen Erwachsenen, die in öffentlicher Verantwortung aufgewachsen sind, nur selten in vergleichbarer Form zur Verfügung. Zwar gibt es in Deutschland auch Hilfen für junge Volljährige, doch insgesamt werden diese kaum als selbstverständliche Unterstützungsstruktur für junge Erwachsene betrachtet. Damit unterliegen junge Menschen in Erziehungshilfen einer doppelten Benachteiligung: Sie sind aufgrund ihrer Herkunftssituation auf öffentliche Erziehungshilfen angewiesen, können aber gleichzeitig als junge Erwachsene nicht auf eine in Familien übliche Unterstützung auf dem Weg in ein selbstständiges Leben bauen.

In anderen Ländern ist dieses anders: In Kanada ist jüngst eine Initiative für ehemalige Kinder und Jugendliche aus Erziehungshilfen, sogenannte Care Leavers, gestartet worden, mit dem Slogan: „25 ist die neue 18“. Entsprechend sollen Hilfen nicht mehr automatisch mit der Volljährigkeit beendet, sondern eine Infrastruktur aufgebaut werden, die z.B. die Weiterbildung und die Einmündung in die Erwerbsarbeit sichert. In England werden die lokalen Behörden verpflichtet, einen Übergangsplan mit den jungen Menschen zu entwerfen. Sie müssen, zumindest bis zum 21. Lebensjahr, immer wieder bei den jungen Menschen nachfragen, wie die Zeit nach der Unterbringung in Erziehungshilfen bewältigt wurde.

Vor diesem Hintergrund veranstalten die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) und das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim am 25. und 26. Februar 2013 einen internationalen Expertenworkshop in Frankfurt, auf dem Expertinnen und Experten aus zehn Ländern darüber beraten, wie die Infrastruktur für Care Leavers in Deutschland weiterentwickelt werden kann. Die Tagung wird durch die Stiftung Deutsche Jugendmarke unterstützt. Es nehmen Experten teil aus Bulgarien, Norwegen, Rumänien, Israel, England, USA, Irland, Kroatien, Niederlande, Ungarn, Finnland, Schweiz, Deutschland.

Die Ergebnisse werden anschließend für die Kinder- und Jugendhilfe sowie für die Jugendpolitik in Deutschland aufbereitet.

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