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In Sicherheit die Welt betrachten

Pflegekinder und Adoptivkinder sind erst einmal KINDER. Auch in der Schule. Sie sind Kinder in besonderen Lebenssituationen – so wie es ein weiterer Teil der Kinder in der Klasse auch sind - z.B. Kinder von Alleinerziehenden, Migrantenkinder, Kinder in Armut, vernachlässigte Kinder, Kinder mit Gewalterfahrung.

Pflegekinder und Adoptivkinder sind erst einmal KINDER. Auch in der Schule. Sie sind Kinder in besonderen Lebenssituationen – so wie es ein weiterer Teil der Kinder in der Klasse auch sind - z.B. Kinder von Alleinerziehenden, Migrantenkinder, Kinder in Armut. In den Klassen sitzen auch Kinder, die vernachlässigt werden, die Gewalt erfahren, die viel allein sind, sich einsam fühlen, in virtuelle Leben entschwinden Kinder mit Beeinträchtigungen wie AD(H)S, FAS, Diskalkulie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen.

So gesehen sind Pflegekinder und Adoptivkinder keine „besonderen“ Kinder in der Schule – sie sind jedoch Kinder mit Besonderheiten. Und – sie sind Kinder deren Eltern sich sehr kümmern. Das ist schon eine Besonderheit bei problematischen Kindern in der Schule.

Pflegekinder - und auch eine Vielzahl von Adoptivkindern- sind Kinder mit schwierigen, oft dramatischen und traumatisierenden Lebenserfahrungen bevor sie in die Pflege- oder Adoptivfamilie kommen. Diese Lebenserfahrungen prägen im hohen Maße auch weiterhin das Befinden und die Entwicklung des Kindes. Besonders die Erfahrungen in den ersten Lebensmonaten bis zum zweiten Lebensjahr „brennen“ sich ein und bestimmen die Sicht des Kindes auf die Welt – bestimmen die Sicht auf Erwachsene und darauf, ob sich das Kind auf diese verlassen kann oder sich von ihnen verlassen fühlt. Kann das Kind dem Erwachsenen vertrauen? Wird er es beschützen, versorgen, zu ihm stehen, es lieben?
In der Pflege- und Adoptivfamilie bekommt das Kind die Chance, verlässliche Eltern zu erleben. Kann es diese Chance ergreifen, kann es sich wieder einlassen auf Liebe? Kann es sich fallen lassen, vertrauen? Kann es eine Bindung, eine Beziehung eingehen? (siehe dazu auch das Scherpunktthema: Traumatisierte Kinder)

Die Entstehung neuer Bindungen ist für das Kind eine notwendige Startrampe in ein vertrauensvolleres Leben und die Chance zu weiteren Beziehungen in Verwandtschaft, Freundeskreis, Schule etc.

Pflegekinder wollen Bindungen, wollen Nähe und Beziehung – und schaffen es oft nicht. Haben Angst wieder verlassen zu werden, haben kein Vertrauen, leben in unsicheren Verhältnissen, wissen nicht, ob sie in ihren neuen Familien bleiben können, müssen sich immer wieder mit dem Erlebten auseinandersetzen. Sie fühlen sich oft nicht beschützt und allein gelassen. Bevor sie noch mal „den Bach runter gehen“ lassen sie sich erst gar nicht auf Beziehungen ein – oder nur ganz vorsichtig, mit immerwährenden Prüfsteinen und permanenter Erschütterung. Für Lernen und Schule sind Bindung und Beziehungen jedoch von elementarer Bedeutung.

Letzte Aktualisierung am: 
13.01.2009

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