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Frage und Antwort

Vermögen bei jungen volljährigen Pflegekindern

Die Großeltern unseres Pflegesohnes haben für ihn gespart und wollen ihm das Geld zu seinem baldigen achtzehnten Geburtstag geben. Kann er das annehmen oder muss er dann alles oder Teile davon an das Jugendamt geben, weil er ja weiterhin bei uns wohnen bleibt?

Bis zum Juni 2021 galt noch die gesetzliche Vorschrift, dass der jungen Volljährige für Leistungen der Jugendhilfe in Pflegefamilien nicht nur aus seinem Einkommen sondern auch mit seinem Vermögen erstattungspflichtig war. 

Diese gesetzliche Grundlage hat sich ab Juni 2021 durch die große Gesetzesänderung im Rahmen des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes verändert. Der jungen Volljährige kann jetzt nur noch mit 25 % seines Einkommen herangezogen werden, während sein Vermögen für eine Heranziehung zu den Kosten der Jugendhilfe keine Rolle mehr spielt. Eine Heranziehung aus dem Vermögen wird in dem aktuellen SGB VIII nicht mehr aufgeführt. § 92 SGB VIII wurde entsprechend geändert und gilt nur noch für volljährige Leistungsberechtigte, die Hilfen nach § 19 SGB VIII (Gemeinsame Wohnformen für Mütter/Väter und Kinder) - also nicht mehr volljährige Leistungsberechtigte, die in Pflegefamilien, Heimen, betreuten Wohnformen etc. leben. 

 Das Geschenk der Großeltern kann also von Ihrem Pflegesohn ohne irgendwelche Bedenken angenommen werden.

§ 92 Ausgestaltung der Heranziehung

(1) Aus ihrem Einkommen nach Maßgabe der §§ 93 und 94 heranzuziehen sind:

1. Kinder und Jugendliche zu den Kosten der in § 91 Absatz 1 Nummer 1 bis 7 genannten Leistungen und vorläufigen Maßnahmen,

2. junge Volljährige zu den Kosten der in § 91 Absatz 1 Nummer 1, 4 und 8 genannten Leistungen,

3. Leistungsberechtigte nach § 19 zu den Kosten der in § 91 Absatz 1 Nummer 2 genannten Leistungen,

4. Ehegatten und Lebenspartner junger Menschen und Leistungsberechtigter nach § 19 zu den Kosten der in § 91 Absatz 1 und 2 genannten Leistungen und vorläufigen Maßnahmen,

5. Elternteile zu den Kosten der in § 91 Absatz 1 genannten Leistungen und vorläufigen Maßnahmen; leben sie mit dem jungen Menschen zusammen, so werden sie auch zu den Kosten der in § 91 Absatz 2 genannten Leistungen herangezogen.

(1a) Zu den Kosten vollstationärer Leistungen sind volljährige Leistungsberechtigte nach § 19 zusätzlich aus ihrem Vermögen nach Maßgabe der §§ 90 und 91 des Zwölften Buches heranzuziehen.

Letzte Aktualisierung am: 
18.02.2022