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Wenn die Pflegeeltern auch Vormund sind

Rechtlich gesehen ist der ehrenamtliche Einzelvormund vorrangig vor allen anderen Vormundschaftsmöglichkeiten. Pflegeeltern können durchaus ehrenamtliche Einzelvormünder ihrer Pflegekinder werden.

Ob Pflegeeltern selbst Vormünder oder Pfleger ihrer Pflegekinder sein sollten hängt unmittelbar mit dem Kind, seiner Geschichte, möglicher Traumatisierungen, Perspektiven und Möglichkeiten zusammen.
Rechtlich gesehen ist der ehrenamtliche Einzelvormund vorrangig vor allen anderen Vormundschaftsmöglichkeiten. Pflegeeltern können durchaus ehrenamtliche Einzelvormünder ihrer Pflegekinder werden.

Wenn Pflegeeltern Vormünder/Pfleger ihres Pflegekindes sein wollen oder schon sind, dann muss klar für sie sein, in welcher Position sie in bestimmten Situationen denn nun tätig sind – als Vormund oder als Pflegeeltern. Welchen Hut ziehen sie sich an in Hilfeplangesprächen – den des Vormundes oder den der Pflegepersonen? Dort sind sie in beiden Positionen beteiligt. Wichtig ist, dass sie sich (und anderen) klar machen, dass sie sich nicht nur auf eine Position beschränken lassen, sondern in beiden Positionen – als Vormund und als Pflegeeltern – etwas zu sagen haben.

Beispiel

Ich begleitete ein Pflegeelternpaar zu einem Hilfeplangespräch, in dem es um die Zukunft ihres Pflegesohnes gehen sollte. Die Pflegeeltern waren sehr mitgenommen, da es trotz aller ihrer Bemühungen nun doch so weit gekommen war, dass der Junge nicht mehr bei ihnen bleiben wollte und konnte und für den 15jährigen eine Wohngruppe gesucht wurde. Ihr örtliches und bisher zuständiges Jugendamt bewertete das Geschehen als Abbruch und gescheitertes Pflegeverhältnis und wollte eine Verlegung des Jungen in die Nähe seiner Herkunftsfamilie in eine dortige Wohngruppe, damit der Junge wieder an seine Herkunftsfamilie andocken könne. Die Pflegeeltern wollten den Jungen lieber in ihrer Nähe haben. Sie wollten sich weiter um ihn kümmern und sahen ihn auch weiterhin als Familienmitglied an. Der Junge sah das auch so, konnte aber –jetzt in der Pubertät- die Nähe einer Familie im Alltag nicht mehr ertragen. Die Einschätzung des Jugendamtes verletzte die Pflegeeltern sehr. Sie fühlten sich schuldig und wie gelähmt. Sie hatten das Gefühl, es liefe alles falsch, hatten aber keine Kraft mehr, sich immer noch zu wehren – obwohl sie Vormund des Jungen waren.

Sie baten mich daher, zu dem folgenden Hilfeplangespräch mitzukommen. Dies war ein Übergabegespräch zwischen dem jetzt zuständigen Jugendamt (§ 33 SGB VII - Vollzeitpflege am Ort der Pflegeeltern) und dem nun bald zuständigen Jugendamt am Wohnort der Herkunftsfamilie, da der Junge ja in eine andere Hilfeform (§ 34 - Wohngruppe) wechseln sollte.

Das Übergabegespräch begann nach der Begrüßung als Austausch zwischen den beiden Fachkräften des bisher zuständigen Jugendamtes und dem Sozialarbeiter des neuen Jugendamtes. Die Pflegeeltern wurden nicht einbezogen – alles lief an ihnen vorbei.

Nachdem ich dies eine Zeitlang betrachtet hatte, mischte ich mich ein mit der Nachfrage, warum die Pflegeeltern so unbeachtet blieben, denn ohne ihre Mitwirkung und Entscheidung könnte ja letztendlich nichts passieren. Anschließend nahm ich ruhig die Äußerung der beiden Fachkräfte entgegen, dass das Pflegeverhältnis ja nun beendet würde und die Pflegeeltern somit raus seien.
Ich antwortete, dass ich dies anders sehen würde, denn erstens habe der Junge zwölf Jahre in der Pflegefamilie gelebt und zweitens seien die Pflegeeltern Vormund.
Nun entstand eine längere Pause. An den beiden Fachkräften des bisher zuständigen Jugendamtes prallte diese Erläuterung sichtlich ab, während der neu zuständig werdende Sozialarbeiter tief Luft holte, etwas hektisch in seinen Akten blätterte, dann rot anlief und erklärte, dass dies nicht in seinen Akten stände – ob das denn so stimmen würde. Die beiden Damen nickten zustimmend.

Nun veränderte sich die Atmosphäre des Gespräches. Als erstes entschuldigte sich der Sozialarbeiter dafür, dass die Pflegeeltern bisher so draußen vorgelassen worden waren. Als Vormund jedoch seien sie ja die für ihn entscheidenden Gesprächsteilnehmer. Dann begann das Gespräch quasi noch einmal neu. Die Pflegeeltern, die sich bisher überhaupt nicht ernst genommen gefühlt hatten, wurden nun in ihrer Rolle als Vormund wahrgenommen und es wurde deutlich, dass sie nun in dieser Rolle auch wieder Bedeutung für den Jungen bekommen hatten.

Letzte Aktualisierung am: 
18.11.2013

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