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Tiefergehende Information

Wie Eltern ihre Kinder bei der Vorbereitung auf die Schule unterstützen können

Das Prinzip ist ganz einfach: Beziehen Sie Ihre Kinder in Alltagssituationen ein, in denen sie handelnd vielfältige Kompetenzen erwerben und sich dazugehörig fühlen. Heute heißt es leider viel zu oft: „Geh in dein Zimmer spielen.“ Wie soll sich dabei ein Kind abgucken, wie Leben funktioniert? Jede Familie hat Möglichkeiten, dem Kind ohne viel kostspieliges Fördermaterial eine bestmögliche Entwicklung zu bieten.

Dabei sein ist alles!

  • Es bringt Eltern und Kinder näher zusammen.
  • Es schafft selbstständige Kinder.
  • Es schafft verantwortungsbewusste Kinder.
  • Es schafft Erleichterung im Alltag durch Unterstützung und Verständnis.
  • Es entwickeln sich stolze Kinder, die das Gefühl haben, etwas geschafft zu haben und gebraucht zu werden.
  • Es entwickeln sich Kinder, die Anstrengungsbereitschaft zeigen und Frustrationstoleranz mitbringen.
  • Es schafft Menschenkenntnis / Erfahrungen.

Grundsätzlich sollte gelten: Was Kinder selbst tun können, sollten Sie ihnen nicht abnehmen! Unmotivierte und nichtachtende Eltern, Fernsehen, Computerspiele, Lustlosigkeit und Zeitmangel der Eltern aber auch Verwöhnung und Überbehütung sind hinderlich für eine gute Entwicklung der Kinder.

Folgende Dinge unterstützen die Entwicklung des Kindes im Alltag

Eine tolle Übersicht mit vielen Dingen, die Kindern Spaß machen und sie in Ihrer Entwicklung unterstützen, erhalten Sie in unserem Abonnement.
Feinmotorik (Präzision)
  • Knöpfe und andere Verschlüsse öffnen und schließen
  • Schleife binden
  • kneten
  • beim Backen helfen
  • schneiden auf einer Linie/ausschneiden
  • aufkleben
  • Papier reißen / falten /knüllen
  • Perlen auffädeln
  • ausdrücken/auswringen von Waschlappen/Schwämmen etc.
  • Brot selbst schmieren
  • Tisch abwischen
  • Mikado spielen
  • Steckspiele
  • selbst Getränk einschenken
  • mit Bauklötzen/DUPLO bauen
  • Wäsche zusammenlegen
  • Wäsche mit Wäscheklammern aufhängen
  • Obst/Gemüse schälen, schneiden, Essen zubereiten
  • einen Stift mit Dreipunktgriff halten
  • malen mit unterschiedlichen Stiften
  • malen mit Fingerfarben
  • ausmalen
  • geometrische Figuren zeichnen (rund/eckig)
  • Formen nachmalen

Zum Thema Händigkeit:
Die Händigkeit ist angeboren! Beim Rechtshänder dominiert die linke Gehirnhälfte, beim Linkshänder umgekehrt. Die Händigkeit stellt sich ab dem 3., spätestens im 6. Lebensjahr heraus.

Tipps:

  • Beobachten Sie genau mit welcher Hand das Kind überwiegend und spontan zugreift, wenn es etwas haben oder tun möchte (Licht einschalten, Süßigkeiten erfassen, einen Turm bauen, Zähne putzen…)
  • Werfen Sie dem Kind z.B. ein Kuscheltier unerwartet zu. In den meisten Fällen fängt das Kind mit der „richtigen Hand“, da dies ein Reflex ist.
  • Geben Sie dem Kind Spielsachen oder Materialien nicht in die Hand. Legen Sie diese mittig auf den Tisch. Damit wird es zum Ausprobieren angeregt und kann eine eigene Entscheidung treffen.
  • Linkshänder haben die Blickrichtung oft von rechts nach links und sehen sich daher Bilderbücher häufig von hinten beginnend an, zunächst die rechte Seite, dann die linke.
  • Das Besteck sollte bei einer noch nicht entschiedenen Händigkeit auf den Teller gelegt werden, um Wahlmöglichkeiten zu bieten.

Grobmotorik

  • Fangspiele
  • Balancieren
  • Treppe mit beiden Füßen abwechselnd gehen
  • Rückwärts gehen
  • Auf einem Bein hüpfen (vorwärts und rückwärts)
  • Fangen und Werfen
  • Hampelmann üben
  • Körper an- und entspannen
  • Tanzen
  • Schwimmen gehen
  • Roller / Fahrrad / Inliner (Rollschuh) MIT dem Kind fahren

Sprach und Sprechfähigkeit

  • andere Menschen ansprechen
  • Situationen beschreiben
  • Dinge benennen (auf richtiges Wort bestehen!)
  • Dinge erklären
  • Dinge beschreiben
  • deutlich sprechen
  • auf unvollständige Sätze nicht reagieren bzw. nachfragen: („Kann ich mal die Butter?“ „Was?“)
  • Vorlesen
  • Bilderbücher zusammen ansehen/vorlesen und darüber sprechen
  • Vorgelesenes wiederholen lassen
  • Verse, Reime vorsagen und nachsprechen

Tipps aus der Literatur (Förderung der Sprachfähigkeit):

  • Singen Sie dem Kind vor und mit dem Kind gemeinsam.
  • Machen Sie Quatsch mit Sprache. Suchen Sie gemeinsam Reimworte, Quatschworte (Wörter erfinden mit dem Kind) Regen Sie Ihr Kind zum Nachdenken an.
  • Stellen Sie einfach mal Theorien auf den Kopf und fragen Sie hinterher: Warum? (z.B. „Das ist keine Wolke, das ist ein Hund.Nein? Warum nicht?")
  • Geben Sie nicht auf alle Fragen sofort eine Antwort, sondern kommen sie mit dem Kind ins Gespräch. Stellen Sie ruhig die „Warum-Frage“ an das Kind.
  • Auf Kinderfragen nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten, sondern mit ganzen Sätzen.
  • Gehen Sie beim Sprechen mit dem Kind auch mal auf Augenhöhe.
  • Begleiten Sie Ihre eigenes Tun und das Handeln der Kinder durch Sprache, jedoch nicht, indem Sie lediglich alles kommentieren („So, jetzt legen wir den Löffel auf den Tisch“), sondern indem Sie Sprache als wichtigen Bestandteil in die Handlung einbauen: „Jetzt müssen wir den Tisch decken. Welches Besteck brauchen wir denn?“
  • Greifen Sie Themen und konkrete Erfahrungen auf. Wenn ein Kind Ihnen zum Beispiel ein Bild zeigt, sagen Sie nicht einfach: „Oh schön!“, sondern fangen Sie ein Gespräch darüber an. Fragen Sie, was es gemalt hat, erzählen sie selbst etwas dazu.
  • Fragen Sie Ihr Kind nach Erlebnissen: „Mit wem hast du gespielt? Was habt ihr gespielt? Was hat dir gefallen?
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Sprechen und lassen Sie Kinder aussprechen und erzählen, auch wenn Sie es eilig haben.
  • Reime, Lieder, Rätsel, Zungenbrecher, Teekesselchen machen den Kindern Spaß. Sie unterstützen den Spracherwerbsprozess.
  • Spielen Sie Spiele, in denen Sprache eine zentrale Bedeutung hat. (z.B. „Ich sehe was, was du nicht siehst“, Rollenspiele, Puppenspiele)
  • Achten Sie darauf, dass Sie ihr Kind bewusst begrüßen und verabschieden.
  • Keine Angst vor Wiederholungen! Kinder lieben es, wieder und wieder die gleichen Geschichten vorgelesen zu bekommen, gleiche Lieder zu singen oder gleiche Reime zu finden. Sie brauchen Rituale und Wiederholungen, damit sich gelerntes im Gehirn festigen kann.

Selbstständigkeit

  • Beim Einkaufen kleine Aufträge erfüllen (Sachen suchen, bezahlen, Verkäuferin etwas fragen, Einkaufszettel malen)
  • Überlegen, was noch eingekauft werden muss
  • Zu Hause telefonieren und Telefonate annehmen
  • Den Schulweg üben zu gehen
  • Ordnung im Zimmer halten
  • Zimmer „sauber machen“
  • Aufgaben im Alltag übernehmen (Spülmaschine ausräumen, Blumen gießen, Tisch decken, Müll wegbringen)
  • Selbstorganisatorisch (benötigte Dinge selbst zusammensuchen)
  • Eigenständiges An- und Ausziehen
  • Abwaschen und abtrocknen

Soziale / emotionale Kompetenzen

  • Mit dem Kind über Träume und Gefühle sprechen
  • Kinder ernst nehmen
  • Grenzen setzen
  • Vorbild sein
  • Auch mal Quatsch mit Kindern machen
  • Selber Mut zeigen und über das Gefühl sprechen
  • Kindern von früher aus der eigenen Kindheit erzählen
  • Verlässlich sein und Versprechungen/Absprachen/Rituale einhalten
  • Freunde einladen – zu Freunden gehen (Abnabelung)

Wahrnehmung/Gliederungsfähigkeit und Mengenerfassung sind die Voraussetzungen für den Leselernprozess, die Schreibfähigkeit und ein mathematisches Verständnis.

Auditive Wahrnehmung (phonologische Bewusstheit) und rhythmische Wahrnehmung

  • Wecker verstecken und suchen
  • Mit verbundenen Augen nach Gehör einem Klatschen folgen
  • Topf-schlagen-Spiel mit heiß-und-kalt-Ansage
  • Vogelstimmen erhören im Wald
  • Verschiedene Stimmen im Spiel nachahmen lassen
  • Verbale Aufträge geben: Im Haus oder beim Einkaufen Gegenstände oder Handlungen nennen, welche die Kinder holen bzw. ausführen müssen. Mit etwa 3 Gegenständen beginnen, dann können auch mehr Gegenstände genannt werden.
  • Reime erkennen (z.B. Kanne – Tanne – Wanne – Wald)
  • Reimdomino (Kamm-Lamm)
  • Zungenbrecher
  • Laute herauszuhören (z.B. Ich sehe was und das beginnt mit „M“)
  • Laute wiedererkennen (z.B. „Michael beginnt mit „M“; Mama beginnt mit „M“; Maus beginnt mit „M“)
  • Fingerspielen, Singspielen, Abzählversen, Kniereiter etc. („Ich und du, Müllers Kuh ...“ , oder „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben – eine alte Frau kocht Rüben ...“ oder „ Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er ...“ oder „Das ist der Daumen, ...“)
  • Lieder singen (Rhythmik)
  • Tanzen (Rhythmik)

Visuelle Wahrnehmung

  • Farben
  • Puzzeln
  • Raum-Lage-Spiel: Was siehst du über, unter, neben, vor ...
  • Richtungswechsel auf Bildern erkennen (rechts/links)
  • Suchbilder
  • Fehlerbilder
  • Labyrinthe

Taktile Wahrnehmung

  • Kraftspiele
  • Tastspiele
  • Berührungen am Körper lokalisieren
  • Im Spiegel betrachten
  • Massagen
  • Fax-Spiel (einfache Figur mit dem Finger auf den Rücken malen)

Gliederungsfähigkeit

  • Reihen fortsetzen mit Spielsachen, Bauklötzen etc. (mathematische Gliederungsfähigkeit)
  • Socken sortieren (mathematische Gliederungsfähigkeit)
  • Wörter klatschen (Gi-se-la) (auditive/rhythmische Gliederungsfähigkeit)
  • lange Wörter – kurze Wörter (Zug – Lo-ko-mo-ti-ve) (auditive/rhythmische Gliederungsfähigkeit)
  • puzzeln (visuelle Gliederungsfähigkeit)
  • Memory (visuelle Gliederungsfähigkeit)

Mathematische Kompetenzen

  • sortieren (Perlen /Besteck /Kleidungsstücke...)
  • ordnen dick-dünn / lang-kurz / hart-weich / mehr-weniger
  • ordnen nach Reihenfolge: von groß nach klein
  • Formen kennen
  • Mengen erfassen (du hast mehr als ich – 2 mehr)
  • Längen, Höhen bestimmen
  • Gewichte unterscheiden (Elefant / Feder)
  • Türme bauen (gleich hoch / 2 Steine mehr / nach Farben)
  • Abwiegen und vergleichen
  • Abzählen von Dingen (Zählen beim Spiel: Karten / Mensch ärgere dich nicht)

Interesse

  • Geben Sie dem Kind Anregungen. Wecken Sie Interesse beim Kind. Zeigen Sie selbst Interesse!

Konzentrationsfähigkeit

  • Geben Sie dem Kind die Chance, die Ruhe und die Zeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren, auch wenn Sie es eilig haben oder es gerade nicht passt.

Durchhaltevermögen

  • Geben Sie dem Kind Aufgaben! Kurze/längere, einfache/schwierigere.
  • Bestehen Sie darauf, dass eine Sache / ein Auftrag / eine Aufgabe auch zu Ende geführt wird.
  • Loben Sie Ihr Kind!
  • Äußern sie sich aber auch kritisch, wenn die Sache / der Auftrag / die Aufgabe „oberflächlich“ ausgeführt wurde. („Das kannst du besser.“)

Freuen Sie sich mit Ihrem Kind auf die Schule! Haben Sie keine Angst vor der Schule! Dann freut sich Ihr Kind auf die Schule und es hat keine Angst!

Ein Kind

Ein Kind, das ständig kritisiert wird, lernt zu verdammen.
Ein Kind, das geschlagen wird, lernt selbst zu schlagen.
Ein Kind, das verhöhnt wird, lernt Schüchternheit.
Ein Kind, das der Ironie ausgesetzt wird, bekommt ein schlechtes Gewissen.
Aber ein Kind, das ermuntert wird, lernt Selbstvertrauen.
Ein Kind, dem mit Toleranz begegnet wird, lernt Geduld.
Ein Kind, das gelobt wird, lernt Bewertung.
Ein Kind, das Ehrlichkeit erlebt, lernt Gerechtigkeit.
Ein Kind, das Freundlichkeit erfährt, lernt Freundschaft.
Ein Kind, das Geborgenheit erleben darf, lernt Vertrauen.
Ein Kind, das geliebt und umarmt wird, lernt Liebe in dieser Welt zu empfinden.
Denn das Leben geht nicht rückwärts und hält sich nicht auf beim Gestern.

Khalil Ghibran

Letzte Aktualisierung am: 
02.02.2016

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